12.05.2012 Fünf Bürgermeister wollen Erweiterung des Regionalexpress-Stundentakts in die Region Marburg-Biedenkopf verhindern


Am 8. Mai 2012 veröffentlichten die Bürgermeister der Gemeinden  Ebsdorfergrund, Fronhausen, Lohra, Weimar und der Stadt Lollar einen Offenen Brief, in dem sie vehement gegen den Vorschlag unserer Initiative protestieren, 5 Zugpaare der Hessischen Landesbahn in Zukunft zwischen Gießen und Marburg als Regionalexpress verkehren zu lassen. Eine nähere Betrachtung des Offenen Briefes zeigt, dass der Bürgermeisterprotest den Vorschlag nicht in seiner Bedeutung für die Region erfasst.

Die angeführten Gründe sind vielfältig: Neben „längeren Wegezeiten, weniger Mobilität“ und „höheren Lebenshaltungskosten“ würde „all das, was unsere Gemeinden attraktiv macht und wodurch wir dem demografischen Wandel erfolgreich begegnen konnten", zunichte gemacht. Dem Brief zu Folge muss der Leser glauben, dass durch den Vorschlag unserer Initiative hunderte von Bahnfahrgästen aus diesen Gemeinden künftig auf der Strecke bleiben -  ja, dass diese Orte vom Schienenverkehr "abgehängt" werden. Nüchtern betrachtet, ist das aber keineswegs so: Heute verkehren zwischen Gießen und Marburg je Richtung pro Tag 33 Züge, die an den Unterwegsbahnhöfen halten. Wenn die 5 vorgeschlagenen Zugpaare entfallen, halten somit immer noch 28 Züge pro Tag und Richtung. Die meisten davon fahren sogar bis nach Frankfurt durch.

Die sehr auf die eigenen Verhältnisse eingeschränkte Sichtweise der 5 Bürgermeister wird deutlich, wenn man zum Vergleich die Verhältnisse in der Nachbarschaft auf der Main-Weser-Bahn betrachtet: Am Streckenabschnitt Marburg – Treysa halten an den kleinen Stationen nur 21 Züge pro Tag und Richtung. Während in Langgöns oder Großen Linden außerhalb der Hauptverkehrszeit nur alle 2 Stunden ein direkter Zug nach Frankfurt verkehrt, sind es zwischen Gießen und Marburg bis zu drei Züge in zwei Stunden.

Die Gemeinden der fünf Bürgermeister haben zusammen rund 35.500 Einwohner, welche von den moderaten Einschränkungen betroffen wären. Dem gegenüber stehen mit Marburg und den Anrainern an der Oberen Lahntalbahn fast 119.000 Einwohner, für welche sich das Angebot durch kürzere Reisezeiten von bis zu einer halben Stunde verbessern würde. Würde man einen oder mehrere Züge bis Stadtallendorf verlängern, würden noch einmal über 37.000 Einwohner mehr von der Wiederherstellung des Stundentakts für die Region profitieren.

Bei einer Zählung am 29. Februar erfolgten in den Stationen von Niederweimar bis Lollar nur 290 Ein- und Ausstiege (entspricht 14%) in allen 10 von der Änderung betroffenen Zügen. Schon heute gibt es in den Bahnhöfen Marburg und Gießen 1348 Ein- und Ausstiege pro Tag bei den Zügen der Hessischen Landesbahn. Diese Zahlen zeigen einerseits, dass die Versorgung der Unterwegshalte bereits weitgehend optimiert ist, und andererseits, dass ein klarer Bedarf für eine stündliche schnelle Anbindung vom Bahnknoten Marburg Richtung Gießen/Frankfurt existiert.

Die Bürgermeister der fünf betroffenen Gemeinden bemängeln das „unsolidarische Ansinnen der Stadt Marburg “, per Stadtparlamentsbeschluss die Umwandlung der 5 Züge in Regionalexpresszüge zu fordern und so beim RMV zu bestellen. Hier stellt sich die Frage, wie man Solidarität versteht. Wir denken, dass die fünf Bürgermeister, die vehement auf ihrer derzeit wahrlich vorzüglichen Anbindung bestehen, ganz klar die berechtigten Interessen anderer Gemeinden mit insgesamt deutlich mehr Einwohnern missachten, indem sie der Region Marburg-Biedenkopf keinen Stundentakt mit schnellen, zuschlagfreien Zügen zugestehen wollen. Denn selbst nach der von uns vorgeschlagenen Zugreduzierung werden die Gemeinden Ebsdorfergrund, Fronhausen, Lohra, Weimar und die Stadt Lollar das mit Abstand beste Regionalbahnangebot auf der Main-Weser-Bahn nördlich von Gießen haben.

Auch Stadt und Landkreis Gießen sind regionalpolitisch gefordert, ihrem nördlichen Nachbarkreis und der benachbarten Universitätsstadt Marburg die gleichen Möglichkeiten im Schienenregionalverkehr zuzugestehen, die sie selbst seit Ende 2010 selbstverständlich nutzen.

Neben der Oberhessischen Presse, die zu diesem Thema ausführlich berichtete, griff auch das Online-Magazin "das Marburger." den Bürgermeisterprotest mit einem Kommentar auf.