15. September 1999

Durch Ablösung von Bahnchef Ludewig und Fernverkehrschef Nawrocki wird verfehlte Verkehrspolitik nicht korrigiert

(Berlin) Der Deutsche Bahnkunden-Verband (DBV) sieht Johannes Ludewig nicht als Schuldigen für die gravierenden Fehlentwicklungen bei der Deutschen Bahn AG. Vielmehr sind es die verkehrspolitischen Rahmenbedingungen, die die Eisenbahn im Wettbewerb mit den anderen Verkehrsarten benachteiligen, sowie die Besetzung des Aufsichtsrates der DB AG mit Bahnleien.

DBV-Präsident Gerhard J. Curth erklärte: "Es wird immer deutlicher, dass die Bahnreform gescheitert ist. Offensichtlich soll Herr Ludewig als Bauernopfer herhalten, während die eigentlichen Missstände nicht beseitigt werden."

Im Fernverkehr gab es zwar auch unter Nawrockis Leitung Mängel, jedoch gab es hier erstmals ein Management, während vorher nur verwaltet wurde.

Im Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Wohnungswesen besteht offensichtlich kein Problembewusstsein für das Scheitern der Bahnreform. Anstelle einer Angleichung der Wettbewerbsbedingungen von Straße und Schiene sollen der Bahn noch mehr Kosten aufgebürdet werden (siehe Kosten für Bahnpolizei).

Ebenso ist nicht zu erkennen, dass die Monopolstellung von DB Netz aufgehoben werden soll. Damit werden auch künftig horrende Gebühren für die Gleisbenutzung fällig sein, während die Nebenstrecken aus technischen Gründen stillgelegt werden müssen. Aber auch auf Hauptstrecken führt der willkürliche Rückbau von Kreuzungsbahnhöfen, Blockstellen usw. durch DB Netz zu einer immer schlechteren Durchlassfähigkeit und einer immer größeren Störanfälligkeit.

Unter diesen Umständen dürfte auch die Abberufung der künftigen Bahnmanager vorprogrammiert sein.