10. August 1999 - Nordhessen

Fahrgastverband gegen Transrapid-Vorschlag
Wichtiger: Bestehendes Netz ausbauen


(Kassel) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus hat sich vehement gegen den Vorschlag von Landrat Dr. Udo Schlitzberger, eine Transrapid-Regio-Strecke zu bauen, ausgesprochen.

Der Vorsitzende des Regionalverbandes Nordhessen, Hermann Hoffmann, sieht in dem Bau einer eigenen Magnetbahntrasse vom Bahnhof Wilhelmshöhe zum Flughafen in Calden wenig Sinn. "Für den Transrapid wird zusätzliche Fläche benötigt, da weder das Straßen- noch das Schienennetz mit dem System kompatibel sind. Von >integrierter< Verkehrsplanung kann keine Rede sein." Die Schaffung von solchen Flächen in Wilhelmshöhe und Harleshausen hält Hoffmann für schwierig. "Realistischer ist ein Anschluss des Flughafens an das RegioTram-Netz, wenn sich dies aufgrund der Verkehrsströme nach Calden volkswirtschaftlich rechnet".

Den hohen Energieverbrauch beim Beschleunigen auf 200 km/h für eine so kurze Strecke sowie die hohen Fahrwegkosten hält der Fahrgastverband nicht für gerechtfertigt. "Viel wichtiger ist der Ausbau des bestehenden Bahn- und Busnetzes in Nordhessen. Noch immer fahren z. B. die Züge zwischen Kassel und Korbach auf schlecht ausgebauten Trassen mit alter Signaltechnik.

"Das in Kassel ansässige Bahntechnikunternehmen, das auch an der Transrapid-Entwicklung beteiligt ist, sollte sich eher darauf konzentrieren endlich wieder störungsfrei funktionierende Nahverkehrstriebwagen auszuliefern," sagt Hoffmann.

Während es einen nennenswerten Markt für den Transrapid weder in Europa noch weltweit gibt, gefährden die ständigen Pannen der Schienenfahrzeuge bundesdeutscher Hersteller deren Position in diesem - tatsächlich gewaltigen - Weltmarkt und damit heimische Arbeitsplätze. "Es ist unverständlich, wieso sich Politiker geradezu inbrünstig um einen Ladenhüter in einer zudem winzigen Marktnische sorgen, aber das Wegbrechen der Massenmärkte im Schienfahrzeugbau zu Gunsten ausländischer Hersteller nicht einmal zur Kenntnis nehmen", so Hermann Hoffmann abschließend.