23. Juli 1999 - Wiesbaden/Rheingau-Taunus/Mittelhessen

Pro Bahn & Bus gegen Gleisabbau - Rechte Rheinstrecke und Taunusstrecke betroffen

(Wiesbaden) Die Deutsche Bahn AG hat in der vergangenen Woche Überlegungen zur Optimierung ihres Streckennetzes bekannt gegeben. Hiernach soll es unter dem Titel "Strategie Netz 21" zu einer Entflechtung des schnellen und des langsamen Verkehrs sowie zu einer Modernisierung der Bahnstrecken kommen.

Vom Vorstandsmitglied der DB Netz AG Christian Simon wurden die Planungen am Beispiel der rechten Rheinstrecke Wiesbaden - Koblenz erläutert. Auf dieser Strecke solle künftig dem Güter- und Nahverkehr Vorrang gegeben werden. Damit könne bei Beibehaltung aller Haltepunkte die Zahl der Überholungsbahnhöfe von 16 auf drei reduziert werden. Es würden rund 70 Weichen und acht Kilometer Gleise eingespart. Die Kapazität der Strecke steige um 15 Prozent.

Diese Aussagen stoßen beim Fahrgastverband Pro Bahn & Bus auf völliges Unverständnis. Zum einen wird auf der rechten Rheinstrecke bereits bisher fast ausschließlich Regional- und Güterverkehr abgewickelt, andererseits ist nicht nachvollziehbar, wie durch die genannte drastische Reduzierung der Überholungsbahnhöfe eine Kapazitätssteigerung der Strecke erfolgen soll. "Das Gegenteil ist der Fall. Bei einer Reduzierung der Infrastruktur wird sich jede kleine Unregelmäßigkeit im Betriebsablauf negativ auf die Pünktlichkeit der Züge auswirken", stellt Gernot Hornik von Pro Bahn & Bus fest. Umleitungen von Fernverkehrszügen von der linken Rheinstrecke seien dann ebenfalls nicht mehr durchführbar.

Bei der DB Netz AG gibt es jedoch schon weitere konkrete Planungen. So sollen als eine der ersten Maßnahmen alle Überholungsgleise und Gleiswechselmöglichkeiten auf der Taunusstrecke zwischen Niedernhausen und Eschhofen abgebaut werden. Nach dieser Maßnahme gäbe es auf dem genannten 35 Kilometer langen Streckenabschnitt keine Möglichkeit mehr, einen liegengebliebenen Zug herauszunehmen oder an diesem vorbeizufahren. Auch bei Bauarbeiten würden sofortige Streckensperrungen notwendig.

Gerade die Taunusstrecke Limburg - Frankfurt, eine der bestfrequentierten Nahverkehrsstrecken in Hessen, ist seit Wochen und Monaten von Zugausfällen und erheblichen Verspätungen betroffen. Wie verärgert die Reisenden auf dieser Strecke bereits sind, ist in den Leserbriefen in den lokalen Zeitungen ersichtlich. Immer wieder gibt es seitens der DB Beteuerungen, pünktlicher zu fahren, bisher jedoch ohne jeden Erfolg.

"Die nun geplanten Rückbaumaßnahmen werden die Situation noch weiter verschlechtern", ist sich Hornik sicher. Pro Bahn & Bus appelliert an die Vernunft der DB-Manager, und hofft, dass die vorgesehenen Maßnahmen noch einmal überdacht und schnell zu den Akten gelegt werden.