20. Juli 1999 - Osthessen/Mittelhessen

Fahrgastverband: "Chaos war wieder einmal hausgemacht"

(Lauterbach) Am vergangenen Wochenende fanden auf der Vogelsbergbahn Gießen - Fulda zwischen Großenlüder und Fulda Bauarbeiten statt. Neben verschiedenen Arbeiten an den Gleisen waren Brückenerneuerungsarbeiten in Fulda-Horas Grund für eine Streckensperrung. Die Bekanntgabe und Durchführung des Schienenersatzverkehrs, der mit Bussen abgewickelt wurde, war nach Auffassung des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus mangelhaft.

Die DB Regio AG, Betreiberin des Zugverkehrs, hatte den Ersatzverkehr rechtzeitig geplant. Allerdings kamen die Informationen nur schleppend bei den Fahrgästen an.

Die DB Station & Service AG machte die Fahrplanänderung an der Strecke zwischen Renzendorf und Fulda erst am Donnerstagnachmittag bekannt. Im Bahnhof Alsfeld wurde der Aushang erst am Freitagnachmittag angebracht. Auch eine rechtzeitige Belieferung der Zeitungen im Vogelsbergkreis war nicht gegeben. Die Fahrkartenausgaben in den Bahnhöfen sind erst mit dem Fahrplanaushang informiert worden. Kunden, die vor Donnerstagnachmittag eine Reiseauskunft erfragten, wurden auf am Wochenende nicht vorhandene Anschlüsse verwiesen.

Der Schienenersatzverkehr wartete - entgegen dem Baustellenfahrplan - Anschlüsse in Fulda ab, um zweistündige Reisezeitverlängerungen für Fahrgäste aus Richtung Kassel zu vermeinden. Die daraus resultierenden Verspätungen übertrugen sich auf die gesamte Vogelsbergbahn. Folglich waren alle Züge in und aus Richtung Gießen zwischen 10 und 20 Minuten verspätet. Weitere Anschlüsse in Gießen und Fulda gingen damit verloren.

Die Buskapazitäten (Gelenkbusse) waren bei den Regionalexpress-Zügen teilweise völlig erschöpft. Im Ersatzbus für den Regionalexpress 17.33 Uhr am Sonntag waren beispielsweise die Sitz- und Stehplätze vollständig belegt. Glücklicherweise hatten die Reisenden wenig Gepäck, so dass niemand zurückgelassen werden musste.

"Das Chaos war wieder einmal hausgemacht", stellt Stefan Sitzmann, Vorstandsmitglied von Pro Bahn & Bus, fest. "Die Aufsplittung der Deutschen Bahn in fünf Aktiengesellschaften und weitere Tochter-GmbH's hat an diesem Wochenende gezeigt, dass entgegen aller Beteuerungen des Unternehmens die interne Kommunikation nicht funktioniert." Für den Fahrgastverband ist das Geschehene Anlass sich erneut an die Deutsche Bahn zu wenden, um eine Verbesserung der Informationspolitik zu erzielen.