4. Juni 1999 - Mittelhessen

Fahrgäste verärgert: Neue Triebwagen von Pannen geplagt

(Nidda/Hungen) Einen "Fehlstart nach Maß" hat der Fahrplanwechsel nach Ansicht des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus Anfang der Woche der Horlofftalbahn Friedberg - Nidda/Hungen beschert. Die Butzbach-Licher-Eisenbahn (BLE), die beide Strecken neuerdings betreibt, hat technische Probleme mit ihren neuen Triebwagen von Typ GTW 2/6.

"Die Fahrzeuge wurden reihenweise von technischen Störungen heimgesucht, bis hin zu Totalausfällen", berichtet Verbandssprecher Hans-Jörg Winter, der selbst als "Testfahrer" in zahlreichen Zügen unterwegs war. "Von einem zuverlässigen Zugbetrieb", so Winter weiter, "konnte am Montag und Dienstag nur ansatzweise die Rede sein." Die häufigsten Pannen betrafen die Antriebstechnik. Teilweise waren auch Klimaanlagen außer Betrieb sowie die Zugzielanzeiger in den Fahrgasträumen falsch beschriftet.

Die von Pro Bahn & Bus registrierten Verspätungen bewegten sich zwischen einer Minute und einer Stunde. Verpaßte Anschlüsse in Friedberg und Beienheim sowie mehrere Zugausfälle machten eine Fahrt auf der Horlofftalbahn zum "Glücksspiel". Erst am Mittwoch ist eine deutliche Besserung bei der Pünktlichkeit eingetreten, einzelne Anschlüsse sind jedoch erneut verpaßt worden.

Pro Bahn & Bus betont, daß die BLE die technischen Mängel an den Fahrzeugen nicht zu vertreten hat; hierfür sind die Herstellerfirmen ADtranz und DWA verantwortlich zu machen. Der Verband kritisiert jedoch, daß die Fahrgäste nicht vorab informiert wurden. "Die technischen Probleme waren intern schon Wochen vorher bekannt", so Winter. Selbst beim Probebetrieb am vergangenen Sonntag sind gleich mehrere Fahrzeuge ausgefallen. "Die ersten beiden Fahrplantage kamen einem Versuchsbetrieb mit lebenden Objekten gleich. Eine öffentliche Entschuldigung seitens RMV und BLE wäre das mindeste", fordert der Fahrgastverband.

Von vielen Fahrgästen wurde indessen kritisiert, daß die neuen Triebwagen keine 1. Klasse mehr führen. Besonders Inhaber von Zeitkarten 1. Klasse fühlen sich vor den Kopf gestoßen. Völliges Unverständnis herrscht über die Tatsache, daß der überwiegende Teil der Fahrzeuge keine Toiletten hat. Dies wiegt um so schlimmer, da weder der Bahnhof der Kreisstadt Friedberg noch die Bahnhöfe an der Strecke über öffentliche Toiletten verfügen. Auch mit der Platzkapazität in der Hauptverkehrszeit gibt es nach Auskunft von Pro Bahn & Bus bei einzelnen Zügen noch Probleme. Als positiv werden dagegen die guten Fahreigenschaften, die Klimaanlage sowie die Niederflureinstiege bewertet.