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18. Mai 1999 - Mittelhessen
Pro Bahn & Bus zum Fahrplanwechsel im Kreis Gießen:
Große Änderungen auf der Main-Weser-Bahn / Betreiberwechsel im Horlofftal / Verbesserung im Busverkehr / Vogelsbergbahn-Situation kritisiert
(Pohlheim) Am 30. Mai 1999 ist Fahrplanwechsel. Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus weist auf größere Änderungen insbesondere auf der Main-Weser-Bahn hin.
Main-Weser-Bahn: Kassel - Gießen - Frankfurt
Die Interregiozüge der Linie Frankfurt-Gießen-Hagen verkehren eine Stunde später als bisher. Neuer Endpunkt dieser Linie ist Düsseldorf, nachdem bisher über Hamm nach Münster gefahren wurde. Der für Pendler wichtige Interregio nach Frankfurt, Gießen ab 7.18 Uhr, bleibt in der Zeitlage unverändert. Der Interregio Gießen ab 9.18 Uhr wird durch einen Regionalexpreß ersetzt, der auch in Großen-Linden und Langgöns bedient.
Pro Bahn & Bus erhofft sich von der neuen Linienführung eine Verbesserung der Fahrgastzahlen im Abschnitt Gießen - Siegen - Hagen. Unverständlich bleibt aus Sicht des Fahrgastverbandes, warum der Interregio immer noch keinen Halt in Herborn einlegt, könnten doch mit diesem Halt mehr Fahrgäste für den Interregio erschlossen werden.
Entfallen ist für Frühpendler Richtung Frankfurt der Halt des Nachtzuges Hamburg-Stuttgart um 4.30 Uhr in Gießen. Die erste Fahrmöglichkeit besteht nun mit einem Stadtexpreß, Gießen ab 4.42 Uhr. Dieser ist allerdings erst 23 Minuten später in Frankfurt als der bisherige Nachtzug.
Durch die zeitliche Verlegung der Interregiolinie verschieben sich die Fahrzeiten der Regionalexpreßzüge Frankfurt - Gießen - Marburg um eine Stunde. Zwischen Gießen und Friedberg werden auch die Regionalbahnen an die geänderten Fahrzeiten angepaßt.
Vollkommen neu sind an Wochenenden insgesamt 7 Regionalexpreß-Zugpaare zwischen Gießen und Frankfurt, die auch in Großen-Linden und Langgöns halten. Dabei entstehen in Gießen sehr gute Anschlußmöglichkeiten von und zur Vogelsbergbahn.
Pro Bahn & Bus begrüßt diese zusätzlichen Züge ausdrücklich. Zum einen erhalten die Anliegergemeinden an der Main-Weser-Bahn auch am Wochenende Direktverbindungen nach Frankfurt, zum anderen reichten die vorhandenen Züge oft nicht aus. In der letzten Vorweihnachtszeit mußten am Wochenende oft Reisende zurückbleiben, weil die Züge überfüllt waren. Auch bei Großveranstaltungen wie Messen oder Bundesligaspielen in Frankfurt kamen die Züge regelmäßig an ihre Leistungsgrenze.
Lahn-Kinzig-Bahn: Gießen - Lich - Hungen - Nidda - Gelnhausen
Wenige Änderungen gibt es auf der Lahn-Kinzig-Bahn. Montag bis Donnerstag verkehrt ein zusätzlicher Spätzug 21.42 Uhr von Hungen nach Gießen (an 22.06 Uhr), jedoch ohne einen brauchbaren, weiterführenden Anschluß. Freitags und samstags gibt es eine weitere neue Spätverbindung von Hungen (ab 23.42 Uhr) nach Gießen (an 0.06 Uhr). Verbessert wurde die letzte abendliche Verbindung von Gießen nach Nidda (ab 21.11 Uhr). Durch einen optimierten Busanschluß verkürzt sich die Fahrzeit um fünfzehn Minuten (Nidda an 22.10 Uhr).
Die RegionalBahn mit Abfahrt 12.50 Uhr in Gießen wird künftig bis Gelnhausen durchgebunden, die Endstation der RegionalBahn 19.11 Uhr ab Gelnhausen ist künftig Nidda (bisher Hungen). Problematisch stellt sich der mittägliche Schülerzug von Nidda nach Hungen/Gießen dar. Dieser muß einen elfminütigen Halt in Ober-Widdersheim einlegen (an 13.44 Uhr/ab 13.55 Uhr).
Beim Samstagsverkehr wird durch eine Harmonisierung der Abfahrtszeiten nun ein einheitliches Taktschema angeboten, Abfahrt in Gießen immer zur Minute 11. Abfahrt in Hungen, bis auf zwei Ausnahmen, immer zur Minute 21.
Pro Bahn & Bus kritisiert, daß es auch im dritten Jahr noch immer nicht gelungen ist, einen durchgehenden Samstagsverkehr auf der Strecke einzuführen. Der Wetteraukreis scheint weiterhin nicht bereit, den auf sein Gebiet entfallenden Anteil mitzufinanzieren. Somit muß in Hungen samstags weiterhin in den Bus umgestiegen werden.
Schienenersatzverkehr Lahn-Kinzig-Bahn
Schienenersatzverkehr am Samstag: Hier beträgt bei einem Bus die Umsteigezeit in Hungen lediglich zwei Minuten (Zug Hungen an 8.39 Uhr, Bus nach Nidda ab 8.41 Uhr). Der Fahrgastverband bewertet diese Anschlußplanung als völlig unzureichend. Im Gegensatz dazu ist die Umsteigezeit bei zwei anderen Verbindungen übermäßig lang: Bus Hungen an 5.53 und 7.54 Uhr, Zug nach Gießen ab 6.21 und 8.21 Uhr. Verbessert wurden dagegen die Übergangszeiten bei den übrigen Bussen.
Horlofftalbahn: Hungen / Nidda - Beienheim - Friedberg
Eine wesentliche Änderung bringt der Fahrplanwechsel für die Horlofftalbahn. Hier übernimmt mit der Butzbach-Licher-Eisenbahn (BLE) ein Tochterunternehmen der Hessischen Landesbahn (HLB) den Zugverkehr auf beiden Streckenästen. Damit kommt der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) der Umsetzung einer Kernforderung von Pro Bahn & Bus näher.
Der Verband fordert seit langem, im Schienenverkehr durch eine vermehrte Auftragsvergabe an nichtbundeseigene Bahnen für einen marktwirtschaftichen Wettbewerb zu sorgen. Für die Zukunft ist es aus Sicht von Pro Bahn & Bus wünschenswert, daß die Auftragsvergabe über öffentliche Ausschreibungen erfolgt.
Die BLE wird zukünftig alle RegionalBahn-Leistungen übernehmen. Einzig die beiden werktäglichen StadtExpress-Zugpaare Nidda - Frankfurt Hbf (und Gegenrichtung) verbleiben in der Regie der Deutschen Bahn AG (DB Regio).
Der Betreiberwechsel bedeutet insbesondere hinsichtlich des Zugmaterials einen Innovationsschub. Die BLE setzt mit dem "GTW 2/6" fabrikneue Niederflur-Triebwagen ein, die zudem über ein besseres Beschleunigungsvermögen verfügen. Dadurch verkürzt sich in der Tagesverkehrszeit die Reisezeit Hungen - Friedberg um zwei, Nidda - Friedberg um eine Minute. Mit Ausnahme dieser Fahrzeitverkürzungen bleibt der Fahrplan unverändert. So müssen weiterhin fünf Zugpaare im Haltepunkt Berstadt-Wohnbach enden und beginnen.
Buslinie 630: Hungen - Lich - Gießen
Völlig neu präsentiert sich das Angebot auf der Buslinie 630. Der Fahrplan wurde vertaktet (Stundentakt), wobei am Bahnhof Lich optimale Umsteigemöglichkeiten zur Lahn-Kinzig-Bahn bestehen. Die bisher schienenparallel geführten Busfahrten nach Hungen entfallen künftig bzw. verkehren zu Zeiten, in denen kein Zug zwischen Lich und Hungen unterwegs ist.
Die Streckenführung in der Stadt Lich könnte nach Auffassung von Pro Bahn & Bus allerdings verbessert werden. Das Kreiskrankenhaus wird noch immer nur bei Fahrten in Richtung Gießen bedient - ein deutlicher Mangel.
Buslinie 720: Laubach - Hungen - Berstadt - Friedberg
Wenige Änderungen ergeben sich auf der Buslinie 720. Der Fahrgastverband kritisiert allerdings, daß es nach Verstreichen eines ganzen Jahres noch immer nicht gelungen ist, den Bus Montag bis Freitag 20.15 Uhr von Friedberg nach Hungen auf 19.55 Uhr zu verlegen. Da zum Fahrplanwechsel im Mai 1998 der letzte Zug von Beienheim nach Hungen gestrichen wurde, müssen Fahrgäste, die mit dem RegionalExpreß aus Frankfurt um 19.43 Uhr in Friedberg ankommen, eine halbe Stunde auf einen Anschluß nach Hungen warten. Die Wetterauer Verkehrsgesellschaft hatte eine Vorverlegung zunächst vehement abgelehnt, dann aber zum September 1998 zugesagt, ohne daß sich bisher etwas getan hat.
Buslinie 730: Schotten - Laubach - Lich - Gießen
Der Fahrplan dieser Linie wurde umstrukturiert und auf die Zuganschlüsse der Lahn-Kinzig-Bahn in Lich abgestimmt. Trotz des Umsteigens in Lich ergeben sich wesentlich schnellere Verbindungen von Gießen nach Laubach und Schotten. Auf schienenparallele Busfahrten hat der Verkehrsverbund Gießen zu Gunsten eines Mehrangebotes zwischen Laubach und Lich verzichtet.
Weniger positiv sind dagegen die langen Übergangszeiten am Samstag-Morgen von Laubach/Schotten in Richtung Gießen (Bus Lich an 7.09 und 8.04 Uhr, Zug nach Gießen ab 7.30 und 8.30 Uhr).
Vogelsbergbahn: Gießen - Alsfeld - Lauterbach - Fulda
Unzufrieden ist Pro Bahn & Bus mit der Entwicklung auf der Vogelsbergbahn. „Vor fast einem Jahr hatte der Verband eine umfangreiche Liste mit Verbesserungsvorschlägen eingereicht. Diese wurde nur unzureichend von der Deutschen Bahn AG und dem Verkehrsverbund beantwortet", sagt Vorstandsmitglied Stefan Sitzmann.
Bei den Vorschlägen handelte es sich vor allem um die Verkürzung von Reisezeiten in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag. So bemängelte Pro Bahn & Bus die überlangen Fahrzeiten in Richtung Alsfeld/Lauterbach. "Trotz detaillierter Vorschläge, die keine Mehrkosten beinhaltet haben, hat sich keine Lösung ergeben. Stattdessen gibt es Fahrzeitverlängerungen ohne ersichtliche betriebliche Gründe."
Betroffen ist die Regionalbahn um 17.46 Uhr ab Gießen nach Lauterbach. Dieser Zug hat ab Fahrplanwechsel eine zusätzliche Standzeit in Grünberg von 5 Minuten, so daß Fahrgäste aus Lehnheim, Mücke und Nieder-Ohmen länger im Zug sitzen müssen.
Leichte Fahrzeitverlängerungen gibt es im Sonntagsverkehr bei den Regionalbahnen. Sie benötigen durchschnittlich 2 Minuten mehr Fahrzeit auf der Vogelsbergbahn.
Trotz rechtzeitig vorgebrachter Bedenken zu den Veränderungen konnte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bislang noch keine begründende Antwort auf die Fragen von Pro Bahn & Bus geben, obwohl er als Besteller entscheidet wann und wo ein Zug fährt.
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