16. Mai 1999 - Osthessen/Mittelhessen

Pro Bahn & Bus zum Fahrplanwechsel im Vogelsbergkreis:
Mehr Verbindungen, aber sinkende Angebotsqualität


(Lauterbach) Am 30. Mai 1999 ist Fahrplanwechsel. Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus bewertet die Änderungen im Vogelsbergkreis unterschiedlich.

Vogelsbergbahn: Gießen - Alsfeld - Lauterbach - Fulda
Unzufrieden ist Pro Bahn & Bus mit der Entwicklung auf der Vogelsbergbahn. "Vor fast einem Jahr hatte der Verband eine umfangreiche Liste mit Verbesserungsvorschlägen eingereicht. Diese wurde nur unzureichend von der Deutschen Bahn AG und dem Verkehrsverbund beantwortet", sagt Vorstandsmitglied Stefan Sitzmann.

Bei den Vorschlägen handelte es sich vor allem um die Verkürzung von Reisezeiten in der Hauptverkehrszeit am Nachmittag. So bemängelte Pro Bahn & Bus die langen Standzeiten der Züge in Lauterbach von über 10 Minuten und die überlangen Fahrzeiten aus Richtung Gießen. "Trotz detaillierter Vorschläge, die keine Mehrkosten beinhaltet haben, hat sich keine Lösung ergeben. Stattdessen gibt es Fahrzeitverlängerungen ohne ersichtliche betriebliche Gründe."

Betroffen ist die Regionalbahn um 17.46 Uhr ab Gießen nach Lauterbach. Dieser Zug hat ab Fahrplanwechsel eine zusätzliche Standzeit in Grünberg von 5 Minuten, so daß Fahrgäste aus Lehnheim, Mücke und Nieder-Ohmen länger im Zug sitzen müssen. Die Regionalbahn mit Abfahrt um 17.12 Uhr in Gießen nach Fulda steht in Alsfeld dann 11 (bislang 4) Minuten, so daß Fahrgäste aus Renzendorf, Wallenrod und Lauterbach ebenfalls längere Reisezeiten in Kauf nehmen müssen.
Leichte Fahrzeitverlängerungen gibt es im Sonntagsverkehr bei den Regionalbahnen. Sie benötigen durchschnittlich 2 Minuten mehr Fahrzeit auf der Vogelsbergbahn.

Trotz rechtzeitig vorgebrachter Bedenken zu den Veränderungen konnte der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) bislang noch keine begründende Antwort auf die Fragen von Pro Bahn & Bus geben, obwohl er als Besteller entscheidet wann und wo ein Zug fährt.

Busverkehr Ulrichstein - Mücke
Einen deutlichen Stritt nach vorn geht nach Auffassung des Fahrgastverbandes der ÖPNV in der Gemeinde Mücke. Mit einem neuen Anschlußkonzept zur Vogelsbergbahn und zusätzlichen Anruf-Sammeltaxi-Fahrten werden erstmals alle Ortsteile erschlossen. Benachteiligt waren in der Vergangenheit insbesondere Bernsfeld, Atzenhain, Kirschgarten, Ruppertenrod und Ober-Ohmen.
"Allerdings ist die Umsetzung nicht konsequent genug erfolgt. Die Ulrichsteiner Stadtteile Ober- und Unter-Seibertenrod werden weiterhin äußerst mangelhaft bedient. Es wäre ein leichtes gewesen sie in die Anruf-Sammeltaxi-Linie von Ober-Ohmen nach Flensungen einzubinden", sagt Stefan Sitzmann.

"Nicht abgestimmt mit dem Zugverkehr ist die Buslinie 5154 Ulrichstein - Mücke. Hier gibt es gerade zu den Hauptverkehrszeiten Anti-Anschlüsse, die leicht abzustellen wären", ärgert sich der Fahrgastvertreter. "Berufstägige haben beispielsweise keine Chance von Gießen mit dem letzten Bus ins Ohmtal zu fahren, weil die Übergangszeit von 1 Minute am Bahnhof Mücke viel zu knapp ist."

Unzufrieden ist der Fahrgastverband mit dem Wegfall der Haltestelle "Bobenhausen II Kirche". Obwohl nicht weniger Anruf-Sammeltaxen als bisher zwischen Ulrichstein und Bobenhausen II unterwegs sind, bedient die Vogelsberger Verkehrsgesellschaft (VBV) diese Haltestelle nicht mehr. Alle Kunden müssen in Zukunft zum Gilgbachhaus laufen.

Buslinie Schotten - Ulrichstein - Lauterbach
Ebenfalls positive Veränderungen hatte Pro Bahn & Bus auf der Buslinie Schotten - Ulrichstein - Lauterbach erwartet. "Es gibt zwar eine zusätzliche Fahrt am Vormittag, der Nachmittagsverkehr ist aber immer noch äußerst schlecht mit der Vogelsbergbahn in Lauterbach verknüpft. Leider ist die Vogelsberger Verkehrsgesellschaft auf keinen unserer zahlreichen Änderungsvorschläge für diese Linie eingegangen", stellt Stefan Sitzmann fest. In der Abstellung von Umsteigemängeln sieht der Fahrgastverband die Möglichkeit mehr Kunden als bisher für die Buslinie zu gewinnen.

Anruf-Sammeltaxi-Verkehr Freiensteinau - Grebenhain
Weiterhin kritisch steht Pro Bahn & Bus dem Bedienungskonzept zwischen Freiensteinau und Grebenhain gegenüber. Trotz einer zusätzlichen Fahrt ab 30. Mai 99, sind die Fahrzeiten völlig unattraktiv. So beträgt die Reisezeit von Freiensteinau nach Lauterbach 90 Minuten (für 32 km). "Diese Reisezeiten akzeptiert niemand. Wir hoffen, daß die Vogelsberger Verkehrsgesellschaft endlich Zeit findet unsere Vorschläge zu prüfen."


"Insgesamt können wir keine qualitativen Verbesserungen mit Ausnahme des Anruf-Sammeltaxi-Verkehrs in Mücke erkennen. Bei gleichem finanziellen Einsatz wäre deutlich mehr möglich gewesen", so Stefan Sitzmann abschließend.