4. März 1999 - Mittelhessen

50 Minuten warten auf den Anschlußzug
Pro Bahn & Bus: Schienenersatzverkehr schlecht geplant


(Nidda/Stockheim) Nicht einverstanden ist der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus mit dem Schienenersatzverkehr zwischen den Bahnhöfen Nidda und Stockheim. Die Bahnstrecke Gießen - Gelnhausen ist wegen Gleisbauarbeiten auf diesem Abschnitt vom 3. bis zum 5. März für den Zugverkehr gesperrt. Die Busse bieten an einem der beiden Bahnhöfe jeweils keinen akzeptablen Anschluß.

Den Fahrgästen werden zwischen 8 und 16 Uhr erhebliche Wartezeiten zugemutet: In Stockheim muß bis zu 50 Minuten auf den Zuganschluß nach Gelnhausen gewartet werden, in Nidda müssen Fahrgäste in Richtung Gießen bis zu 54 Minuten Wartezeit bis zur Weiterfahrt in Kauf nehmen. Für den Ersatzfahrplan verantwortlich ist die Deutsche Bahn-Tochter DB Regio.

"In früheren Jahren", so Verbandssprecher Hans-Jörg Winter, "hat man Gleisbauarbeiten an Wochenenden durchgeführt, wenn auf der Strecke kein Zugverkehr herrscht." Doch seit die ehemalige Bundesbahn privatisiert ist, möchte man die Kosten für die zusätzliche Streckenbesetzung lieber sparen. Man baut "unter der Woche", wenn die Stellwerke besetzt sind und sperrt kurzerhand den betroffenen Streckenabschnitt. Für die ausfallenden Züge werden Ersatzverkehre mit Bussen organisiert.

Diese Kalkulation hält der Fahrgastverband für "pseudo-wirtschaftlich". Den eingesparten Personalkosten auf der einen Seite steht ein aufwendiger Busersatzverkehr gegenüber. Da die Busse die Fahrzeit der Züge nicht einhalten können, bleiben zwangsläufig Anschlüsse "auf der Strecke". Durch solcherlei Anschlußmängel verprelle die Bahn Fahrgäste und verliere Fahrgeldeinnahmen.

Grundsätzlich begrüßt Pro Bahn & Bus die derzeit laufenden Bauarbeiten. Durch die Instandsetzung der Gleise wird zwischen Ranstadt und Effolderbach eine seit Oktober 1998 bestehende Langsamfahrstelle beseitigt. Die Züge durften dort statt 85 nur noch 40 km/h fahren, was zu deutlichen Verspätungen geführt hatte.

Für die Zukunft fordert der Fahrgastverband, daß Gleisbauarbeiten wieder an Wochenenden angesetzt werden, wenn Betriebsruhe herrscht. "Es ist nicht einzusehen, daß die Fahrgäste mit schlecht organisierten Ersatzverkehren vermeintliche Wirtschaftlichkeitsüberlegungen der Deutschen Bahn AG ausbaden müssen", so Winter abschließend.