8. Februar 1999 - Mittelhessen

Zugunglück in Friedberg: Fahrgastverband beklagt mangelndes Krisenmanagement

(Nidda) Scharfe Kritik übt der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus an der Informationspolitik der Deutschen Bahn AG im Zusammenhang mit dem Unglück im Friedberger Bahnhof. Davon sei nicht nur die Main-Weser-Bahn, sondern auch die Horlofftalbahn Nidda/Hungen-Friedberg betroffen gewesen. Da der entgleiste Güterzug das Streckengleis nach Beienheim blockierte, konnte Donnerstag früh auch kein Zug aus Nidda bzw. Hungen in den Bahnhof einfahren.

Als "skandalös" bezeichnet Verbandssprecher Hans-Jörg Winter die Art und Weise, wie in dieser Ausnahmesituation mit den Fahrgästen der Horlofftalbahn umgegangen worden sei. So habe der Stadtexpress (SE) 3679 von Nidda nach Frankfurt (Abfahrt 6.57 Uhr) den Bahnhof Nidda mit acht Minuten Verspätung verlassen, ohne daß die Fahrgäste "in irgendeiner Weise" über die Gründe informiert wurden. Da sich der Unfall in Friedberg bereits nachts gegen zwei Uhr ereignet habe, hätten die Fahrdienstleiter in Nidda und Beienheim "gewußt oder wissen müssen", daß kein Zug in den Friedberger Bahnhof einfahren kann. Dennoch habe man den SE, offenbar "auf gut Glück" losfahren lassen, ohne die Fahrgäste zu informieren.

In Echzell sei der der Zug zehn Minuten vor dem Bahnhof stehen geblieben, weil der planmäßig kreuzende Gegenzug nicht da war, wiederum ohne jegliche Information. "Ab Echzell", so Winter, "ging dann gar nichts mehr. Der Zug blieb im Bahnhof stehen, ohne daß auch nur einmal der Zugführer im Abteil erschien und die Fahrgäste informierte." Nach einer halben Stunde Aufenthalt, der nächstfolgende Zug war bereits überfällig, machten sich einige Fahrgäste zu Fuß in Richtung Hauptstraße auf den Weg. "Zum Glück fuhr um 8.11 Uhr ein planmäßiger Bus der Linie 5155 nach Friedberg."

Lobend äußert sich der Fahrgastverband über den Busfahrer der RKH. Dieser habe sich gegenüber den "gestrandeten" Bahnfahrgästen überaus "zuvorkommend und korrekt" verhalten. Obwohl der Bus zum Schluß hoffnungslos überfüllt gewesen sei und ab Beienheim einzelne Fahrgäste zurückbleiben mußten, habe der Fahrer "Ruhe und Geduld" bewahrt. "Gegen Ende der Fahrt entschuldigte er sich sogar bei den Fahrgästen für die Unannehmlichkeiten", so Winter.

Die für das Krisenmanagement Verantwortlichen der DB AG haben nach Ansicht des Verbandes in dieser Situation "vollständig versagt". Pro Bahn & Bus fordert DB AG sowie RMV auf, den Vorfall zu untersuchen, die hierfür Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen und die Fahrgäste zu entschädigen. Der Busfahrer des RKH-Busses dagegen sollte für sein vorbildliches Verhalten eine offizielle Belobigung erhalten.
Fahrgästen, die in diesem Zusammenhang ähnliche Erfahrungen gemacht haben, empfiehlt Pro Bahn & Bus, sich bei den offiziellen Beschwerdestellen der Bahn AG sowie beim RMV zu beschweren und eine Fahrgeldrückerstattung einzufordern.