31. Januar 1999 - Mittelhessen

Kritik an Schließungsplänen

(Nidda) Als "nicht akzeptabel" bezeichnet der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus die Pläne der Deutschen Bahn AG, die Fahrkartenausgaben (FKA) in den Bahnhöfen Büdingen und Nidda zu schließen. In diesem Zusammenhang hat der Verband schriftlich bei der Deutschen Bahn AG gegen die Schließungspläne protestiert.

Grundsätzlich könne man die betriebswirtschaftlichen Prämissen der Bahn nachvollziehen, nach denen eine Fahrkartenausgabe nur dann eine Existenzberechtigung habe, wenn sie langfristig entsprechende Umsätze erziele. "Die Bahn AG hat aber bisher keinen ernsthaften Versuch erkennen lassen, den Teufelskreis 'Wenig Umsatz - kürzere Öffnungszeiten - noch weniger Umsatz' durchbrechen zu wollen", stellt Verbandssprecher Hans-Jörg Winter fest. Im Gegenteil: Gerade in Nidda seien die Öffnungszeiten der FKA in den letzten Jahren immer weiter zusammengestrichen worden. "Wer mittags bereits um 14.25 Uhr schließt, braucht sich über schlechte Umsätze nicht zu wundern", so Winter.

Pro Bahn & Bus fordert die Bahn AG auf, von den Schließungsplänen Abstand zu nehmen und sich stattdessen konstruktiv einer Vorwärtsstrategie zuzuwenden. Dazu müßten zuerst die Öffnungszeiten wieder ausgeweitet werden. Der Fahrgastverband verweist auf entsprechende Modellprojekte im Bahnhof der Vogelsberger Kreisstadt Lauterbach sowie dem Bahnhof Grünberg im Landkreis Gießen.

In Lauterbach hatten sich vor drei Jahren Deutsche Bahn AG und die kreiseigene Vogelsberger Verkehrsgesellschaft (VBV) zusammengetan und den Fahrkartenschalter zu einem modernen Kundenzentrum umgestaltet. Durch eine Erhöhung der Personalstärke konnten die Öffnungszeiten ausgeweitet werden. Die zusätzlichen Personalkosten werden von der VBV getragen. Die Bahn AG bietet im Gegenzug in der Fahrkartenausgabe Serviceleistungen der VBV sowie des RMV als Kundencenter an. Die Umsätze stiegen wieder und bei dem internen Wettbewerb der DB AG "Fahrkartenausgabe des Jahres 1997" konnte Lauterbach bundesweit in der Umsatzkategorie 3 einen beachtlichen 3. Platz belegen.

In Grünberg wird der Betrieb des Fahrkartenschalters vom Verkehrsverbund Gießen (VVG) bezuschußt. Nach dem gleichen Modell soll demnächst im Bahnhof Hungen die bereits geschlossene Fahrkartenausgabe wiedereröffnet werden.

"Was in Lauterbach und Grünberg funktioniert, kann auch in Büdingen und Nidda erfolgreich sein", betont Hans-Jörg Winter. "Die Deutsche Bahn AG sowie die Wetterauer Verkehrsgesellschaft WVG und beiden betroffenen Städte sollten nach Ansicht des Fahrgastverbandes Verhandlungen führen, die auf ein Kooperationsmodell hinauslaufen".