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17. November 1998 - Hessen
Tagungsbericht: Zukunft des Schienenverkehrs in Nordhessen
Pro Bahn & Bus: "NVV hat seine Hausaufgaben gemacht"
(Melsungen) Mit einem weitgehend optimistischen Blick in die Zukunft endete am 31. Oktober 1998 die Fachtagung über die Zukunft des Schienenverkehrs in Nordhessen.
Dem Nordhessischen Verkehrsverbund (NVV) wurde "gute Arbeit bescheinigt" und an die politischen Vertreter die Aufforderung erteilt, die erforderlichen Rahmenbedingungen und die nötige Unterstützung für das zukunftsweise Projekt "Schiene 21" des NVV auf den Weg zu bringen.
"Ca. 6 Jahre wird es dauern bis die erste RegioTram-Linie fahren kann", sagte Peter Roßkothen vom Nordhessischen Verkehrsverbund.
Die Planungen für das Hauptprojekt von "Schiene 21", die Verknüpfung der Gleise zwischen Kasseler Verkehrs-Gesellschaft und Deutscher Bahn am Kasseler Hauptbahnhof, sind vergeben und sollen 1999 vorliegen. Die Anzahl der Gleise im Hauptbahnhof sollen dann von heute 12 auf 4 reduziert werden. Damit ließe sich der Betrieb wesentlich rationeller und damit kostengünstiger gestalten.
Auch für die geplanten RegioTram-Strecken in das Kasseler Umland sollen dann Pläne vorliegen, die in den Parlamenten abgestimmt werden müssen.
Peter Roßkothen warnte allerdings davor die durch die Rationalisierungen gewonnenen Gelder bei den Bundesmitteln für die Bahnregionalisierung einzusparen. Dann wäre das Projekt nicht mehr machbar.
Bis zur Verwirklichung der ehrgeizigen Pläne, die rund 50 % mehr Fahrgäste in Bahnen und Busse locken und die Verkehrsprobleme der nordhessichen Städte verringern sollen, sind weitere Projekte in Arbeit. So die Straßenbahnstrecke nach Hessisch Lichtenau, neue Triebwagen mit niedrigen Einstiegen auf den Strecken Kassel - Göttingen und Kassel - Bebra und die Anbindung der Eschweger Innenstadt über eine neuzubauende Verbindungskurve an das Schienennetz.
Wolfgang Nickel aus dem Ministerium für Raumordnung und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt konnte eine beindruckende Erfolgsbilanz für eines der dünnstbesiedelten Bundesländer vorweisen. Während in Nordhessen fast alle Bahnstrecken mit weniger als 1000 Reisenenden pro Tag stillgelegt wurden, gibt es in Sachsen-Anhalt mehr als ein Dutzend von Strecken, die weit unter diesem Limit liegen. Trotzdem bemühe man sich aus raumordnerischen, touristischen und umweltpolitschen Gründen diese Strecken nicht nur zu erhalten, sondern auch mit attraktivem Taktverkehr eine bessere Auslastung zu erzielen.
Trotz Zunahme der Kfz-Zahlen und Erhöhung der Fahrleistungen der privaten Pkw habe sich durch eine Angebots- und Modernisierungspolitik das Fahrgastaufkommen im Öffentlichen Verkehr (ÖV) erhöht; und das bei einer sinkenden Bevölkerungszahl.
Durch massive Werbekampagnen, Tarifmaßnahmen, Rationalisierungsgewinne und die Ausschreibung von Teilnetzen hofft man bis zum Jahr 2010 den Modal-Split zwischen ÖV und sonstigem Verkehr von heute 20,2 % auf 30 % zu steigern.
Probleme sieht das Land bei den zu geringen Bundesmitteln für Sachsen-Anhalt und dem Bau von neuen Straßen. Hier kann jedoch durch eine Gesamtverkehrsplanung auf ÖV-negative Entwicklungen hingewiesen und korrigierend eingegriffen werden.
Folke Ebert zeigte in seinem Referat "RegioTram + X, mehr Mobilität und mehr Arbeitsplätze" das RegioTram-Konzept aus Sicht von Pro Bahn & Bus auf.
Neben den geplanten Linien soll die RegioTram bis Wolfhagen Innenstadt und bis Bebra fahren; in einer zweiten Stufe von Melsungen über Malsfeld nach Homberg (Efze) und von Kassel nach Naumburg verkehren.
In der Relation Wolfhagen - Naumburg - Fritzlar sollte eine Expreßbuslinie zusätzliche Kundenpotentiale erschließen.
Folke Ebert hobt die Fahrzeitvorteile des RegioTram-Konzeptes hervor. Schätzungen gehen davon aus, daß sich beispielsweise die Reisezeit von Wolfhagen nach Kassel Innenstadt um 28 % verkürzen würde.
Kai Pulkkinen von der Deutschen Eisenbahn Gesellschaft (DEG) stellte sein Unternehmen vor und warb für faire Wettbewerbsbedingungen. Die hohen Trassenpreise wirkten sich derzeit stark wettbewerbshindernd aus. Das neue Trassenpreissystem der DB AG, benachteilige vor allem kleine Anbieter.
Die DEG ist mittlerweile in vielen Bundesländern tätig. Kai Pulkkinen berichtete ausführlich von der Bayerischen Oberlandbahn (BOB), die in Kürze von München nach Lenggries und Bayrischzell mit neuen Fahrzeugen startet.
Auf der Wieslauftalbahn in Baden-Württemberg haben sich die prognostizierten Fahrgastzahlen seit Betriebsstart verdreifacht. Auch die Schönbuchbahn in der Nähe von Stuttgart hat eine Erfolgsbilanz aufzuweisen.
In Niedersachsen hat die DEG den Zuschlag für den Betrieb der Nordwestbahn erhalten. In Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen stehen weitere Betriebsübernahmen an. Das Streckennetz der DEG soll dann von rund 100 km (1997) auf 1000 km um die Jahrtausendwende wachsen.
Kai Pulkkinen bedauerte, daß die DEG im Schienenverkehr in Hessen bislang nicht tätig ist. Lediglich für die Kahlgrundbahn wurde ein Betriebskonzept erarbeitet. Hessische Strecken (Dreieichbahn: Dieburg - Ober-Roden - Dreieich-Buchschlag; Wabern - Bad Wildungen) wurden bislang ohne Ausschreibung vergeben. Hier mahnte er mehr Wettbewerb an.
Wolfgang Rausch, Referent für Eisenbahnwesen im Hessischen Ministerium für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung kündigte an, daß wenn Verträge mit der DB AG in einigen Jahren auslaufen, es Ausschreibungen geben werde. Er denke dabei nicht an einzelne Strecken, sondern an ganze Netze. Beispielsweise das gesamte nordhessische Zweigstreckennetz.
Zur aktuellen Finanzierung des Öffentlichen Verkehrs nannte Rausch viele Daten.
Rund 1,4 Mrd. DM Fördermittel des Bundes und des Landes werden für den ÖV bereitgestellt. Neben der Finanzierung des Status quo-Angebotes des Fahrplanjahres 1993/94 (rund 610 Mio. DM, davon NVV 91,4 Mio. DM) werden nach dem Regionalisierungsgesetz 91,3 Mil. DM (NVV 13,2 Mio. DM) sowie Landesmittel i. H. von 187,5 Mio. DM (NVV 26,3 Mio. DM) zur Verfügung gestellt.
Die Ausgleichszahlungen für den Ausbildungsverkehr betragen in Hessen 108,8 Mio. DM.
Für Investitionen stehen 233 Mio. DM nach Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG) und Finanzausgleichgesetz) bereit.
In den Verhandlungen mit der Bundesregierung will die Hessische Landesregierung eine Aufstockung der Fördermittel erreichen. Wolfgang Rausch kritisierte, daß Mittel aus dem Bundesschienenwegeausbaugesetz (BSchwaG) nur als zinslose Darlehen zur Verfügung stünden und bei Inanspruchnahme erst eine betriebswirtschaftliche Berechnung erfolgen müsse.
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