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7. November 1998 - Hessen
Pro Bahn & Bus fordert mehr Pünktlichkeit
(Frankfurt/Lauterbach) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus beklagt die derzeit starken Verspätungen im hessischen Personennahverkehr. Während der Verkehr in Nordhessen bis auf Kleinigkeiten gut funktioniert, häufen sich derzeit die Beschwerden von Fahrgästen im Kinzigtal, zwischen Frankfurt und Heidelberg, auf der Strecke Limburg - Frankfurt und seit Monaten schon auf der Dreieichbahn im Kreis Offenbach.
Kinzigtal
Im Kinzigtal fährt die DB AG seit Ende Juli einen zusätzlichen ICE um 6.40 Uhr ab Fulda, der zum Fahrplanwechsel im September eigentlich entfallen sollte. Doch der Zusatz-ICE fährt immer noch - sehr zum Verdruß der Pendler im Kinzigtal, da er regelmäßig die pünktliche Abfahrt des RegionalExpreß um 7.18 Uhr in Gelnhausen blockiert. Der Regionalzug kann die 5 bis 7 minütige Verspätung bis Frankfurt dann nicht mehr aufholen. Außerdem ist der wichtige Schülerzug um 7.11 Uhr ab Bad Soden-Salmünster betroffen.
"Eine Fahrplantrasse, die nur für einen ICE ausgelegt ist, reicht eben nicht für zwei. Das Nachsehen haben wieder einmal die Nahverkehrskunden, deren Fahrplan und Anschlüsse Makulatur werden", so Sabine Berger, Landesvorsitzende von Pro Bahn & Bus.
"Ebenfalls gravierende Verspätungen von bis zu 20 Minuten hatten in dieser Woche die StadtExpreß-Züge Wächtersbach - Hanau - Frankfurt. Teilweise werden diese Kinzigtalzüge mit zwei statt vier Waggons gefahren, wodurch des dann kurz vor Frankfurt schon einmal hergeht wie in einer >Sardinenbüchse<."
Südhessen
In Südhessen häufen sich seit September Verspätungen auf der Strecke Frankfurt - Darmstadt - Mannheim. In Frankfurt werden wiederholt die StadtExpreßzüge 16.40 Uhr nach Heidelberg und 17.10 Uhr nach Mannheim zu spät bereitgestellt. In Darmstadt gehen dann regelmäßig Anschlüsse zur Odenwaldbahn nach Erbach verloren. Dadurch kommen die Pendler bis zu einer Stunde später zu Hause an.
Limburg / Rheingau-Taunus
Ebenfalls erhebliche Pünktlichkeitsprobleme gibt es auf der Strecke Limburg - Niedernhausen - Frankfurt. Im morgendlichen Berufsverkehr waren in den letzten zwei Wochen 20 bis 30 Minuten Verspätung die Regel. Teilweise fielen ganze Zugverbindungen aus. "Die Kunden sind besonders darüber verärgert, daß an vielen Stationen keine Lautsprecher-Durchsagen erfolgen", so Sabine Berger.
In Mitleidenschaft gezogen wurde dadurch auch der Verkehr auf der Ländchesbahn Niedernhausen - Wiesbaden, wo vielfach Anschlüsse von und nach Limburg verloren gingen. Vereinzelt kam es auf dieser Strecke auch zu überquellenden Bahnen, weil Regelzüge nur mit 2 Waggons verkehrten, wo eigentlich 4 Waggons angebracht wären.
Gießen - Frankfurt
Auf der Main-Weser-Bahn haben sich die Kunden schon fast daran gewöhnt, daß einzelne Züge stark verspätet sind. Regelmäßig betrifft dies den RegionalExpreß 7.55 Uhr ab Gießen nach Frankfurt mit 10 bis 20 Minuten. Ebenso den RegionalExpreß ab Gießen nach Kassel um 8.05 Uhr.
In der Vorwoche fuhr der Regionalzug ab Frankfurt 17.23 Uhr nach Kassel pünktlich im Hauptbahnhof los und schaffte es, bis Friedberg 15 Minuten Verspätung einzufahren.
Dreieichbahn
Auf der Dreieichbahn von Dieburg nach Dreieich-Buchschlag über Ober-Roden ist ein morgendlicher Zug so überfüllt, daß Fahrgäste regelmäßig am Bahnsteig zurückbleiben müssen. Die Verkehrsbetriebe Dreieich setzen daher einen zusätzlichen Bus von Offenthal nach Dreieich-Weibelfeld ein. Die Lösung des Kapazitätsproblemes, nämlich einen lokbespannten Wagenzug statt eines Triebwagens (Typ VT628) einzusetzen, konnte die Deutsche Bahn AG seit Juni noch immer nicht umsetzen.
Doch die Probleme auf der Dreieichbahn beschränken sich nicht nur auf einzelne Fahrten. Der Anteil der Züge, die relativ pünktlich sind und somit S-Bahn-Anschluß in Dreieich-Buchschlag haben, lag nach einer Erhebung der IG Dreieich Bahn montags bis freitags bei gerade einmal 53,5 %.
"Die Regelmäßigkeit der Zugverspätungen auf der Dreieichbahn zeigt erschreckend, mit welcher Ignoranz gegenüber den Kunden, Öffentlicher Verkehr betrieben wird. Auch die Stimmung beim Fahrpersonal ist schlechter als jemals zuvor.
Da gibt es Fahrdienstleiter, die innerhalb einer Woche 48 Überstunden ansammeln, weil es an Arbeitskräften fehlt. Da werden Züge nicht pünktlich bereitgestellt, weil die Wartung nicht planmäßig erfolgt. Da werden Weichen jahrzehntelang zweimal pro Woche geschmiert und plötzlich nur noch einmal im Monat und dann wundert man sich in der Vorstandsetage der DB AG, weshalb viele technische Mängel auftreten und diese nicht zeitgerecht beseitigt werden können."
Die Landesvorsitzende von Pro Bahn & Bus fordert deshalb "den zielgerichteten Einsatz von Personal bei der Wartung von Fahrzeugen und Technik sowie eine spürbare Verbesserung des Informationsflusses an die Kunden bei Verspätungen".
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