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28. August 1998 - Osthessen
Die Zeit ist reif für einen modernen Stadtbus in Lauterbach
(Lauterbach) Nachdem in den letzten Jahren Kommunen mit ähnlicher Einwohnerzahl wie Lauterbach und vergleichbaren Infrastruktur-Einrichtungen neue Stadtbus-Systeme erfolgreich eingeführt haben, wird in Lauterbach erstaunlicherweise über die Abschaffung des städtischen Busangebotes diskutiert.
Derzeit fährt der Stadtbus in Lauterbach montags bis freitags von 7.30 bis 19 Uhr, samstags von 8 bis 13 Uhr im Stundentakt mit einigen Angebotslücken in der Mittagszeit. Die Fahrzeuge sind meist älter als 10 Jahre und die Fahrzeiten durch Schleifenführungen bedingt sehr lang. So benötigt man vom Nordbahnhof nach Blitzenrod 29 Minuten.
1995 hat die Stadt Lauterbach eine Untersuchung für ein neues Stadtbuskonzept erstellen lassen. Die Ergebnisse, die einen 30-Minuten-Takt mit 3 Bussen mit Anbindung von Blitzenrod und Maar sowie weitere Verbesserungen für die von den Regionalbussen bedienten Stadtteile vorsehen, liegen seit 3 Jahren vor. Bislang ist nichts geschehen.
Zwischenzeitlich haben in Hessen Städte in vergleichbarer Größenordnung die Zeichen der Zeit erkannt und Stadtbusverkehre neu eingeführt. Zum Beispiel die Städte Bad Sooden-Allendorf, Bad Wildungen, Erbach, Eschwege, Gelnhausen, Grünberg, Hattersheim, Korbach, Michelstadt, Mühlheim am Main, Nidderau und Weilburg. Büdingen, Hünfeld, Kronberg und Wettenberg planen derzeit ebenfalls Stadtverkehre.
Ein konkretes Beispiel aus der Nachbarschaft: In der Grünberger Kernstadt mit rund 6500 Einwohnern fahren seit September 1997 zwei attraktive Niederflur-Midi-Busse, genannt "De kleene Grimmicher" im 30-Minuten-Takt. Nach Auskunft von Grünbergs Bürgermeister Siegbert Damaschke nutzen derzeit mehr als 700 Fahrgäste pro Tag das Angebot (ohne Schülerverkehr!), Tendenz weiter steigend. In Lauterbach hingegen fahren pro Tag ca. 150 Personen mit dem Stadtbus.
In der Barbarossastadt Gelnhausen mit rd. 10.000 Einwohnern in der Kernstadt begann man 1993 den Verkehr mit 2 Bussen im 20-Minuten-Takt. Mittlerweile fahren 4 Busse und dienen zusätzlich 3 Stadtteile an. Laut Bürgermeister Jürgen Michaelis hat sich das Stadtbus-System in Verbindung mit dem damals eingeführten Parkraumbewirtschaftungskonzept bewährt und geholfen die Attraktivität und Lebensqualität der Innenstadt zu steigern.
Nach Vorstellungen des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus kann die Zielrichtung in der Vogelsbergkreisstadt nicht die Einstellung, sondern die Attraktivierung des derzeitigen Busverkehrs sein. "Im Hinblick auf die Entwicklungen am Stadtrand kommt einem verbesserten Stadtbus-System auch für den Erhalt der innerstädtischen Infrastruktur eine große Bedeutung zu", so Stefan Sitzmann stellv. Vorsitzender von Pro Bahn & Bus Osthessen. Bezüglich der Mitfinanzierung seitens der Lokalen Nahverkehrsgesellschaft (VBV) wartet man seit Jahren auf eine Reaktion der Stadt Lauterbach. Entgegen anders lautenden Behauptungen gibt es sehrwohl dauerhafte Zuschüsse für den laufenden Betrieb eines modernen Bussystems. Auch die Haltestelleneinrichtungen werden vom Bund und vom Land Hessen zu fast 90 % gefördert.
"Die Zeit ist reif für ein zukunftsweisendes Bussystem in der Kreisstadt, damit diese auch zurecht als Mittelzentrum ausgewiesen ist", meint Stefan Sitzmann.
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