16. Juli 2006 - Hessen

RMV-Kürzungen in Mittelhessen
Pro Bahn & Bus vermisst konkrete Zahlen


(Lauterbach) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus wertet es als einen Teilerfolg, dass das Land Hessen rund die Hälfte der entfallenden Bundesgelder für den Nahverkehr vorläufig ausgleicht. Die Streichungen dürften in Mittelhessen dennoch gravierend ausfallen, denn das Land Hessen fordert den Schwerpunkt der Einsparungen außerhalb der S-Bahn Rhein-Main. Für Pro Bahn & Bus ist diese Benachteiligung des ländlichen Raumes nicht nachvollziehbar. Außerdem sieht der Verband eine Einmischung der Landesregierung in die Souveränität der Verkehrsverbünde RMV und NVV (Nordhessen) und deren Gesellschafter - das sind die Landkreise und die kreisfreien Städte.

Völlig unzureichend sind die Aussagen des RMV zum Schienenverkehr in Mittelhessen. Obwohl eine Gesamtzahl einzusparender Zugkilometer feststeht - 550.000 Kilometer für das gesamte Verbundgebiet - wird der Anteil der meisten mittelhessischen Regionalverkehrsstrecken nicht benannt. Der RMV verweist auf laufende Verhandlungen und die anstehende Neukonzeption der Fahrpläne auf der Lahntalbahn, der Vogelsbergbahn und der Rhönbahn sowie der Strecken Frankfurt - Gießen - Siegen und Frankfurt - Gießen - Marburg - Treysa. Pro Bahn & Bus möchte dagegen schnellstmöglich konkrete Zahlen zum künftigen Leistungsumfang wissen, damit die bisher eher halbherzig geführte Diskussion über den verkehrspolitischen Stellenwert dieser Strecken geführt werden kann.

Der Verband sieht die Kommunalpolitik vielfach in der Verantwortung. Vorsitzender Michael Laux: "Zwischen Limburg an der Lahn und Gersfeld in der Rhön wird derzeit in keiner einzigen Kommune intensiv über neue Haltepunkte nachgedacht, obwohl viele neue Baugebiete an den Strecken entstanden sind. Und häufig werden Flächen weit abseits der Bahn bebaut, obwohl in Bahnhofsnähe durch die Aufgabe von Gütergleisen ausreichend Platz wäre. Außerdem könnte mehr für die attraktive und behindertengerechte Gestaltung der Stationen getan werden - hier sind schon mit kleinen Mitteln große Erfolge zu erzielen."

Für Pro Bahn & Bus ist der Regionalbahnanschluss ein Faktor im Wettbewerb der ländlichen Kommunen um Einwohner und Arbeitsplätze. Laux: "Wenn Studierende die Unis in Gießen und Marburg attraktiv per Bahn erreichen können, ziehen sie das Lahntal, den westlichen Vogelsberg und das Marburger Land als Wohnort in Betracht und bleiben vielleicht für immer dort. Die ganze Region sollte sich daher für neue Bahnhaltepunkte in Marburg Mitte und im Gießener Univiertel stark machen."