19. Februar 2005 - Mittelhessen

Pro Bahn & Bus zum ICE für Mittelhessen: "Es gibt bessere Ideen!

(Gießen) Die Regionalversammlung Mittelhessen wünscht sich eine ICE-Linie für Mittelhessen. Dies beschloss das Gremium am vergangenen Mittwoch in Lollar. Dem Antrag wurde seitens der Deutschen Bahn AG postwendend eine Absage erteilt.

Wer sich intensiv mit dem deutschen Fernzugsystem beschäftigt, wird verstehen, warum die Deutsche Bahn so entscheidet. Der ICE verbindet Großstädte mit schnellstmöglicher Geschwindigkeit und - wo möglich - auf neuen Trassen. Zwischen Frankfurt und Kassel kann auf dem Weg über Fulda zumindest auf Teilstrecken eine solche Trasse genutzt werden. Diese wurde in den 80er Jahren mit Milliarden an Steuergeldern errichtet. Mit ihrem schnellsten Zug, dem ICE, steht die Bahn außerdem in direkter Konkurrenz zum innerdeutschen Flugverkehr, wo sie beim Reisezeitvergleich von Stadtmitte zu Stadtmitte häufig besser abschneidet.


"Wie wäre es der Mehrheit der ICE-Nutzer zu vermitteln, dass eine der Linien künftig auf der Fahrt zwischen Frankfurt und Hannover, Hamburg oder Berlin die deutlich langsamere Main-Weser-Bahn nutzen soll? Zumal es für diese so genannten >Altstrecken< ein eigenes Zugsystem gibt - den InterCity", fragt Michael Laux, Vorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus. "Der Hinweis auf andere Mittelstädte mit ICE-Anschluss hinkt, denn beispielsweise Fulda, Limburg oder Eisenach haben das Glück, an einer Fernmagistrale zu liegen. Die Bahn würde auch für diese Städte keine Umwegfahrten machen oder deutliche Fahrzeitverlängerungen in Kauf nehmen."

Wenn die Region Mittelhessen Gutes für den Schienenverkehr tun will, dann sollte sie sich auf ihre eigenen Kompetenzen konzentrieren. So könnten die Landkreise, die zusammen mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund als Auftraggeber für den Regionalverkehr zuständig sind, für eine bessere Koordination der mittelhessischen Regionalexpresslinien (RE) sorgen. Ohne finanziellen Mehraufwand ließen sich die RE-Züge Koblenz - Gießen und Gießen - Fulda miteinander verbinden und so zu einer fernzugähnlichen Zubringerlinie an den ICE in Fulda und - per Pendelbus - in Limburg ausbauen. Ähnliches gilt für die Ruhr-Siegstrecke: Frankfurt - Siegen und Siegen - Hagen - Essen könnten allein durch die Verknüpfung bestehender Linien umsteigefrei verkehren.

"Leider sind hier genau gegenläufige Trends zu verzeichnen: Da die Lahntalbahn und die Ruhr-Siegstrecke durch verschiedene Bundesländer verlaufen, werden die Verkehrsleistungen von den Regionen getrennt ausgeschrieben und mit unterschiedlichen Laufzeiten an unterschiedliche Schienenverkehrsunternehmen vergeben. Eine Zusammenarbeit der Regionen scheint hier ferner denn je", stellt Michael Laux fest. Selbst die traditionsreiche Regionalbahn Gießen - Koblenz wurde in Limburg gekappt, da Rheinland-Pfalz eine Ausschreibung ohne hessische Beteiligung für diese Strecke betrieb.

Sollte Mittelhessen auch nach Optimierung der Ruhr-Siegstrecke und der Ost-West-Linie Lahntal/Vogelsberg noch mehr Fernverkehrsanschlüsse benötigen, bietet sich der Ausbau des IC-Verkehrs auf der Main-Weser-Bahn zum Stundentakt an. "Um diesen Stundentakt auszulasten bedarf es aber der Öffnung für RMV-Einzelkartenkunden und damit wieder der besseren Koordination zwischen allen Beteiligten einschließlich der Deutschen Bahn AG."

Weitere lohnende Themen für eine engagierte Regionalversammlung sind nach Ansicht von Pro Bahn & Bus das verbesserungswürdige künftige Fahrplankonzept für die Vogelsbergbahn, die Sicherung der Städteverbindung Wetzlar - Gießen - Marburg nach Einführung des Mittelhessen-Express im kommenden Jahr sowie die Sicherung derzeit ungenutzter Bahntrassen als Verkehrsweg für künftige Generationen.