22. September 2005 - Mittelhessen/Osthessen

"Die Vogelsbergbahn endlich voran bringen"
Pro Bahn & Bus gegen Leistungsabbau und für die Modernisierung


(Lauterbach) Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) plant eine Ausschreibung der Verkehrsleistungen auf der Vogelsbergbahn Gießen - Alsfeld - Fulda ab dem Jahr 2008. Dann können private Bahngesellschaften auf der Strecke fahren, wenn sie ein günstigeres Angebot abgeben als die Deutsche Bahn AG. Gleichzeitig soll ein neuer Fahrplan in Kraft treten.

Die Neukonzeption sieht eine Konzentration auf die schnellen Verbindungen vor. Mit einem stündlichen Regionalexpress-Angebot (RE) durchgehend zwischen Fulda und Gießen lasse sich die Bedienungsqualität bezogen auf die überwiegende Zahl der Nutzer verbessern, so die Meinung des RMV. Damit auch weiterhin die kleinen Stationen bedient werden, ist vorgesehen, dass zweistündlich die RE-Züge östlich von Grünberg alle Halte bedienen. Zwischen Gießen - Grünberg sollen zusätzlich Regionalbahnen verkehren, die auf diesem stark frequentierten Abschnitt zu den wichtigsten Tagesverkehrszeiten an Wochentagen ein halbstündliches Angebot bieten. Im Klartext bedeutet dies aber den Entfall aller bisherigen Regionalbahnen östlich von Grünberg zugunsten des neuen RE-Systems. Nieder-Ohmen, Burg- und Niedergemünden, Ehringshausen, Zell-Romrod und ähnliche Nahverkehrsstationen werden dann ganztags nur noch zweistündlich bedient. In der Politik findet das Konzept teils Zustimmung, teils heftige Ablehnung - vor allem in der Gemeinde Mücke.

Als weitere Verbesserung werden vom RMV durchgehende Verbindungen von Limburg auf die Vogelsbergbahn genannt. Diese Durchbindungen gibt es auch heute schon. Sie sind allerdings derzeit nicht im Fahrplan kenntlich gemacht.

Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus begrüßt die derzeit laufende Erneuerung der Gleise und Brücken, sieht dem neuen Fahrplankonzept aber mit Skepsis entgegen. Der Verband hat aus gut informierten Kreisen erfahren, dass die auf der Vogelsbergbahn gekürzten Kilometerkontingente für die Einrichtung des "Mittelhessen-Express" auf der Main-Weser-Bahn verwendet werden. Sie gehen also der Vogelsbergregion verloren.

"Einige der künftig zweistündlich bedienten Stationen werden heute in der Hauptverkehrszeit noch alle halbe Stunde angefahren. Auch die wichtige P+R - Umsteigestation Mücke, an der 1999 mit hohem Aufwand 70 Pendlerparkplätze errichtet wurden, verliert einen Teil des Angebotes", sagt Michael Laux, Vorsitzender von Pro Bahn & Bus. Er sieht die Region auch im hessischen Vergleich benachteiligt: "Die Odenwaldbahn, die Niddertalbahn und der Anschluss des Ederseegebietes per Schiene werden derzeit umfassend und mit jeweils zweistelligem Millionenaufwand saniert. Bei der Vogelsbergbahn soll es bei der einfachen Erneuerung bleiben, ohne neue Bahnsteige und ohne neue Technik. Und dazu noch ein schlechteres Fahrplankonzept."

Pro Bahn & Bus fordert auch für die Vogelsbergbahn ein schnelles Modernisierungskonzept. Gleichzeitig müssen die Zugkilometer in der Region bleiben und dürfen nicht zur Main-Weser-Bahn abwandern. Zumindest bis Nieder-Ohmen soll auch künftig jede Stunde eine Regionalbahn fahren. Laux: "Zweistündliche Angebote werden erfahrungsgemäß kaum angenommen und vergraulen die treuen Kunden." Unverständlich für den Fahrgastverband ist auch, warum die Leistungskürzung mit der Ausschreibung zusammenfallen soll. Eigentlich müssten mehr Züge fahren, wenn die Kosten sinken. RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann hatte genau dies noch vor zwei Jahren verkündet. Er sprach damals von einer Aufstockung der Zugleistungen um 30 Prozent nach Ende der Modernisierung.