6. März 2005 - Mittelhessen

Umbau der "Spinne": Diskussion versachlichen

(Butzbach) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus Mittelhessen weist erneut die Behauptungen von Bürgermeister Oswin Veith und der Griedeler CDU zurück, der Fahrgastverband blockiere den Umbau der "Spinne" zum Kreisverkehr. "Bürgermeister Veith hat in seiner letzten Presseerklärung richtig festgestellt, dass Pro Bahn & Bus nicht Verfahrensbeteiligter an den Planungen zum Bau des Kreisels an der Kreuzung B488 / L3134 / Schorbachstraße ist", sagt Jürgen Lerch, Zweiter Vorsitzender von Pro Bahn & Bus Mittelhessen. "Und wer kein Verfahrensbeteiligter ist, kann auch nichts blockieren."

Stattdessen unterstelle die Griedeler CDU Pro Bahn & Bus "taktische Verschiebemaßnahmen" und "egoistische Eigeninteressen". Lerch dazu: "Was für ein Eigeninteresse soll ein Fahrgastverband an einem vernünftig gesicherten Bahnübergang haben, der doch für alle Verkehrsteilnehmer nur von Vorteil sein kann?". Es geht dem Fahrgastverband allein darum, auf die möglichen Gefahren des technisch ungesicherten Bahnüberganges hinzuweisen, der in früheren Jahren einen Unfallschwerpunkt bildete.

Unverständlich ist es für den Verband, weshalb der Bürgermeister Veith Pro Bahn & Bus mit Halbwahrheiten und Mutmaßungen in Misskredit bringen möchte. "So behauptet Bürgermeister Veith, seit vielen Jahren könnten wegen dem angeblich schlechten Gleiskörper keine Personenzüge mehr verkehren. Wenn man dann die Museumszüge der Eisenbahnfreunde Wetterau sieht, muss man sich schon fragen, ob diese Züge keine Personenzüge sind" stellt Lerch fest und ergänzt, dass letztes Jahr zur 100-Jahr-Feier der Butzbach-Licher Eisenbahn mehrmals Personenzüge auch zwischen Griedel und Butzbach unterwegs waren.

Erstaunen löst bei Pro Bahn & Bus aus, wie negativ sich Bürgermeister Veith und die Griedeler CDU über den wieder aufgenommenen Güterverkehr äußern. Lerch: "Es ist befremdlich, wenn man aus der Zeitung erfahren muss, dass im Butzbacher Rathaus über die fast wöchentlich verkehrenden Holzzüge nur der Kopf geschüttelt werden kann. Mit einer Zuglänge von über 400 Metern und einem Gewicht von über 1000 Tonnen werden hier Güter von der Straße auf die Schiene verlagert, was letztlich allen Straßenverkehrsteilnehmern zugute kommt." Außerdem bietet der Güterverkehr die Möglichkeit, in größerem Rahmen Einnahmen zu erzielen, um Strecke und Fahrzeuge zu unterhalten.

Die Behauptung der Griedeler CDU, dass die eingesetzten Loks zu wenig Pferdestärken hätten, um die Wagen problemlos nach Butzbach ziehen zu können, kann Pro Bahn & Bus nicht nachvollziehen. Hier rät der Fahrgastverband der CDU, sich erst einmal umfassend zu informieren, bevor sie solche Unwahrheiten verbreitet. Schließlich sind die eingesetzten Dieselloks teilweise das Modernste, was der deutsche Lokbau zur Zeit zu bieten hat. Die Lokomotiven von Herstellern wie Siemens und Vossloh haben eine Leistungsklasse "von 2000 bis 3000 PS und sind teilweise kein Jahr alt. Die Streckenhöchstgeschwindigkeit ist nur auf 25 km/h beschränkt, weil die Eisenbahnfreunde die Strecke als Anschlussbahn betreiben. Dies ist eine gesetzliche Betriebsform, mit der sich Eisenbahnstrecken mit einfachen Mitteln wirtschaftlich betreiben lassen. Es hat nichts mit schlechtem Gleiszustand zu tun", sagt Jürgen Lerch.



Ein leerer Holzzug ist zwischen Butzbach und Griedel kurz vor der Spinne unterwegs




Ein Teil des beladenen Holzzugs steht im DB-Bahnhof in Butzbach zur Abfahrt nach Stendal bereit




Die moderne Diesellok vom Typ Siemens Eurorunner wird im Bahnhof Griedel vom ortsansässigen Brennstoffhändler betankt


Nach Ansicht von Pro Bahn & Bus wird die Diskussion mittlerweile sehr emotional und auf einem Niveau geführt, welches der Sache wenig dienlich ist. Dabei sollte die Diskussion eigentlich nicht gegeneinander, sondern miteinander geführt werden. Das Interesse aller Beteiligten zielt dabei in die gleiche Richtung: Den Unfallschwerpunkt "Griedeler Spinne" zu beseitigen, aber nicht gleichzeitig den alten Unfallschwerpunkt "Bahnübergang" neu entstehen zu lassen. "Und es muss hierfür eine kostengünstige Lösung gefunden werden, die es ermöglicht, noch in diesem Jahr mit dem Bau des Kreisels zu beginnen. Aber auch für den umweltfreundlichen Güterverkehr in Richtung Münzenberg darf es nicht zu betrieblichen Einschränkungen kommen."

Aus diesem Grund wäre es an der Zeit, alle Beteiligten an einen runden Tisch einzuladen, um die Argumente auszutauschen und die Lösungen sachlich zu diskutieren. Dabei sein sollten auch Vertreter der Straßen- und Eisenbahnverkehrsbehörden sowie der beteiligten Eisenbahnunternehmen. Da alle im Grunde eine gemeinsame tragbare Lösung suchen, dürfte es in dieser Runde gelingen, die Beteiligten auf eine gemeinsame Linie zu bringen. Lerch: "Unser Verband steht dafür gern zur Verfügung. Unsachliche Argumente, Einzelgespräche und Grüppchenbildung bringen die Sache dagegen nicht voran."