8. Februar 2005 - Mittelhessen

Umbau der "Spinne": Pro Bahn & Bus weist Vorwürfe von Bürgermeister Veith zurück

(Butzbach) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus Mittelhessen weist die Vorwürfe von Bürgermeister Oswin Veith zurück, der Fahrgastverband blockiere den Umbau der "Spinne" zum Kreisverkehr. "Selbstverständlich ist auch Pro Bahn & Bus daran interessiert, dass der Kreisel so schnell wie möglich gebaut wird, um den Unfallschwerpunkt an der Kreuzung B488 / L3134 / Schorbachstraße sicherer zu gestalten", sagt der zweite Vorsitzende Jürgen Lerch.

Der Fahrgastverband ging bis Dezember davon aus, dass bei der Neugestaltung der Kreuzung auch für den Bahnübergang eine verkehrssichere Lösung gefunden wird. "Wenn man allerdings in der Zeitung lesen muss, dass nach Meinung der Stadt Butzbach aus Kostengründen auf Andreaskreuze verzichtet werden kann, dann sieht man schon einen neuen Unfallschwerpunkt entstehen" stellt Lerch fest. "Ausgerechnet am verkehrsreichsten Bahnübergang der Strecke sollen keine Andreaskreuze aufgestellt werden, während sonst jeder Feldweg mit Andreaskreuzen gesichert ist."

Die wieder aufgenommenen Holztransporte ab dem Bahnhof Münzenberg entwickeln sich gut. Für das Jahr 2005 sind rund 35 Ganzzüge mit Holz vorgesehen. Diese Züge sind sehr lang und verkehren auch bei Nacht. Selbst wenn die Einfahrten in den Kreisel beleuchtet werden, sind Eisenbahnwagen von der Seite schlecht zu erkennen, da sie keinerlei Reflektoren oder sonstige Warneinrichtungen besitzen. Angesichts des dichten Verkehrs auf der Bundesstraße und der L3134 wäre eine höhere Unfallgefahr gegeben, wenn der Kreisel nicht technisch gesichert würde.

Dem Vorschlag der Stadt, den Kreisel mit Posten zu sichern, kann der Fahrgastverband nicht folgen. Bei einem Kreisdurchmesser von 44 Meter ist der Bahnübergang nicht durch einen Posten allein abzusichern. Es würden mindestens drei bis vier Personen benötigt, um den Kreisel für den Straßenverkehr zu sperren. Dieses Personal ist weder bei den Eisenbahnunternehmen vorhanden noch wirtschaftlich vorzuhalten.

Anfang der 70er Jahren ereignete sich an der Spinne ein schwerer Verkehrsunfall. Ein amerikanischer Jeep und ein Triebwagen der Butzbach-Licher Eisenbahn stießen auf dem Bahnübergang zusammen. Der Jeep wurde rund 25 Meter mitgeschleift, der Fahrer überlebte schwerverletzt. Zu diesem Zeitpunkt war der Bahnübergang bereits mit Blinklichtern gesichert. Anfang der 80er Jahre wurde der Übergang mit Schranken ausgestattet, was sich bewährt hat.



Verkehrsunfall in den 1970er Jahren (copyright Bild: Gratzfeld)


"Spätestens bei der abschließenden Prüfung der Planungsunterlagen durch den Landesbevollmächtigten für Bahnaufsicht (LfB) wären die Vorschläge der Stadt Butzbach abgelehnt worden, weil sie unserer Meinung nach nicht den geltenden Vorschriften entsprechen. Dann hätte man sowieso neu planen müssen und die Zeitverzögerung wäre noch größer als heute" stellt Lerch fest. "Außerdem sind wir sicher, dass ein mit Lichtzeichen und Schranken gesicherter Bahnübergang wegen der langen Holzzüge auch im Interesse der beiden betroffenen Bahnunternehmen ist."

Nach Ansicht von Pro Bahn & Bus darf es nicht sein, dass der Unfallschwerpunkt Kreuzung durch einen neuen Unfallschwerpunkt Bahnübergang ersetzt wird. Aus diesem Grund hat der Verband am 12. Dezember 2004 einen Brief an das Amt für Straßen- und Verkehrwesen in Schotten geschickt. Darin wird erklärt, warum der Fahrgastverband die Vorschläge der Stadt Butzbach für nicht nachvollziehbar hält. Außerdem wurde anhand von zwei Fotos aus Laupheim und Konstanz-Petershausen dargelegt, wie eine Kreisellösung mit verkehrssicherem Bahnübergang auch in Butzbach aussehen kann.

Ein Ziel des Schreibens, das auch der Stadt Butzbach zuging, war es, eine sich abzeichnende Verzögerung des Genehmigungsverfahrens zu vermeiden, indem schon im Vorfeld auf die Mängel des Bahnübergangs aufmerksam gemacht wird. Den Fahrgastverband in der Öffentlichkeit deshalb als Blockierer zu bezeichnen, hält Lerch für nicht gerechtfertigt: "Die Sicherheit im Bahn- und Straßenverkehr muss immer an erster Stelle stehen".