28. Januar 2003

Eisenbahn mit Köpfchen: FRANKFURT RHEINMAIN PLUS bringt nachhaltigen Nutzen weit über die Rhein-Main-Region hinaus

(Lauterbach) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus ist hocherfreut, dass Philosophie und Ergebnisse des Projektes FRANKFURT RHEINMAIN PLUS in zentralen Punkten den langjährigen Forderungen der Fahrgast- und Verkehrsverbände zur innovativen Modernisierung des Kopfbahnhofes in Frankfurt am Main entsprechen!

Im Vorfeld des Bundesverkehrswegeplanes bildet das von der gesamten Region Rhein-Main im Konsens getragene Konzept nach Jahren der Ungewißheit nun eine klare und inhaltlich überzeugende Positionierung zum Zusammenwirken dringend erforderlicher Zukunftsbausteine des Schienennetzes.

Besondere Verdienste im Ringen um das nun erzielte Ergebnis haben sich der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) sowie der Landrat des Wetteraukreises, Rolf Gnadl (SPD) erworben. Der Dank gilt aber auch Bahnchef Mehdorn - stellvertretend für die kompetente Projektbegleitung vor Ort.

Mit FRANKFURT RHEINMAIN PLUS wird die Region nach jahrelangem Stillstand infrastrukturell einen Riesenschritt vorankommen.


"Die am 21.1.2003 vorgestellte Arbeit des Koordinationsrates bestätigt, wie berechtigt die konstruktiven Aktivitäten der Fahrgast- und Verkehrsverbände waren, die nachdrücklich bürgernahe Alternativen zum Prestige-Tunnelprojekt 'Frankfurt 21' eingefordert hatten", erklärt Petra Becker, Vorsitzende des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus.

Eine oberirdische Lösung - wie im April 2002 von Pro Bahn & Bus, dem VCD-Hessen und der 'Initiative Frankfurt 22' in ihrem Konzept 'Kopfbahnhof mit Köpfchen' angeregt - wird den Bedürfnissen der Menschen in der Region sowie den Belangen des Fernzugverkehrs voll gerecht.

Demgegenüber hat sich das isolierte, kostenrisikobehaftete und weder im Grundsatz noch im Detail überzeugende 'Beerdigungsmodell' mit Hauptbahnhofsvergrabung und weiteren Tunnelröhren unter der Frankfurter City nicht durchsetzen können. Dessen vorschnelle politische Präferierung, die u.a. von den Frankfurter Planungsdezernenten Dr. Martin Wentz (SPD) und Edwin Schwarz (CDU) vorangetrieben wurde, hatte die Schienenverkehrspolitik in Hessen jahrelang gelähmt und eine integrierte Entwicklung des Gesamtnetzes bedroht.

FRANKFURT RHEINMAIN PLUS hingegen paßt einerseits in die Zeit und ist andererseits angenehm zeitlos. Es macht den Weg frei für...

- die Abarbeitung des Investitionsstaus vieler Jahrzehnte
- eine echte Einheit von Fern- Regional-, Personen und Güterverkehr
- dringend notwendige Strukturverbesserungen mit Freiräumen für kommende Jahrzehnte
- den Einstieg in eine offenere Planungskultur

Ein besonderes Lob hat sich der hessische Verkehrsminister Dieter Posch (FDP) verdient.
"Staatsminister Posch und sein Ministerium haben mit bemerkenswertem Gespür für machbare Visionen die vorgefundenen Denkblockaden und den Investitionsstau aufgelöst. Im Geiste klarer Sachpolitik wurde eine wirklich zukunftsweisende, den Interessen einer breiten Mehrheit der Menschen entsprechende Lösung vertreten. Die Leistung des hessischen Verkehrsministeriums wird im Ergebnis keineswegs nur die Rhein-Main-Region, sondern darüberhinaus große Teile des bundesdeutschen und europäischen Eisenbahnverkehrs voranbringen. Man kann nur wünschen, dass diese erfolgreiche Arbeit auch nach der Landtagswahl konsequent fortgesetzt wird", so Christian Behrendt, Mitautor des Verbände-Konzeptes 'Kopfbahnhof mit Köpfchen'.

Wegen der unvergleichlichen Bedeutung des zentralen Knotens FRANKFURT RHEINMAIN für den Eisenbahnverkehr im Umkreis von vielen Hundert Kilometern erwartet Pro Bahn & Bus von Bundesverkehrsminister Dr. Manfred Stolpe, die Gesamtwirkung der aufeinander abgestimmten Einzelkomponenten anzuerkennen.

Die zentralen Bausteine
- Bahndreieck Spessart samt Korridor Fulda - Erfurt
- Knoten Frankfurt am Main
- Korridor Frankfurt am Main - Mannheim / - Darmstadt - Heidelberg
müssen im Rahmen der Bundesverkehrswegeplanung als besonders vordringlichen Bedarf ausgewiesen und die Finanzierung dieser Projekte abgesichert werden.

Der Deutschen Bahn gebührt in der Frage des Knotenausbaus FRANKFURT RHEINMAIN ebenfalls Dank. Bahnchef Mehdorn versprach im Jahre 2000 mit Blick auf das Alternativkonzept der Fahrgastverbände: 'Wir werden uns das genau ansehen'. Er hat sein Wort gehalten!

Der Wetterauer Landrat Rolf Gnadl (SPD) kämpfte als verkehrspolitischer Sprecher der Region RheinMain nicht nur engagiert und kenntnisreich für den durch 'Frankfurt 21' zunächst blockierten Ausbau 'seiner' Main-Weser-Bahn. Er hat zugleich auch bewiesen, dass Interesse und Sachkompetenz aus einem 'gewöhnlichen' Landrat einen Verfechter der verkehrlichen Belange einer ganzen Region machen können - eine Leistung, der viele seiner Kollegen zügig nacheifern sollten...

Den RMV ermunterte Petra Becker mehr fachlichen Biss zu zeigen und politische Irrungen konsequenter als bisher zu korrigieren. Becker wörtlich: "Die Fahrgast- und Verkehrsverbände haben Anfang der 90er Jahre die Gründung des RMV nicht betrieben, damit er fachlichen Unsinn schönredet. Der Verbund hat die fachliche Verantwortung für die künftige Mobilität von Millionen von Menschen."

Als erfreulichen Akt der Lernfähigkeit ist die Unterstützung durch die Stadt Frankfurt am Main anzuerkennen. Die kommenden Jahre werden zeigen, dass sich die dortige Lokalpolitik keineswegs als Verlierer im Kampf um ein unerfüllbares Wunschprojekt fühlen muss - im Gegenteil. Die Stadt Frankfurt am Main ist die eigentliche Gewinnerin einer verkehrlichen Ertüchtigung ihrer Bahnhöfe. Die Urangst, im ICE-Verkehr 'abgehängt' zu werden, weicht endlich der (Investitions-)Sicherheit. Der Frankfurter Hauptbahnhof wird auf Dauer eine der zentralen europäischen Drehscheiben vernetzter Mobilität vom ICE bis zur Strassenbahn - und damit ein unschätzbarer Standortfaktor - bleiben. Das garantiert die Unterschrift von Bahnchef Mehdorn. Südbahnhof und Ostbahnhof werden als bedeutende Aktivposten wesentlich gestärkt, statt - wie ehedem bei 'Frankfurt 21' - einer ungesunden Zentralisierung zum Opfer zu fallen.

Reizvolle Hausaufgabe für die Planer ist nun die Stadtgestaltung rund um die künftigen oberirdischen Bahnanlagen. Der Bahnhofsvorplatz bedarf einer weiteren Aufwertung. Eine 'Erlebnisbrücke' zwischen Gallus / Messe einerseits und Gutleut / Mainufer andererseits sollte das in Deutschland einmaligen Ensemble von Gleisvorfeld, Kopfbahnhof und Skyline im wahrsten Sinne des Wortes 'zugänglich' machen und 'ins Blickfeld rücken'.

In den kommenden Monaten gilt es, die einzelnen Projektbausteine von FRANKFURT RHEINMAIN PLUS im Detail möglichst fahrgastfreundlich auszugestalten. Die vorgesehenen Investitionsmittel sollen einen maximalen gesellschaftlichen Nutzen in den kommenden Jahrzehnten entfalten und offen sein für zukünftige Entwicklungen des Schienenverkehrs. Dies gilt insbesondere für die Projekte im Korridor Richtung Osten, der konzeptionell am weitesten zurückliegt, sowie im Bereich des Flughafens, wo möglicherweise weitere Kapazitätsengpässe drohen.