16. Januar 2003

Triebwageneinsatz auf der Vogelsbergbahn ist "Mogelpackung"
-Modernisierungsrückstand erzwingt Abzug der Dieselloks-


(Lauterbach) Als "starkes Stück" bezeichnet das Vorstandsmitglied des Fahrgastverbandes Pro Bahn & Bus Osthessen e.V., Werner Filzinger, die jüngsten Äußerungen des Geschäftsführers der VogelsBerger Verkehrsgesellschaft (VBV), Armin Klein, zur Zukunft der Vogelsbergbahn. Die nunmehr seit wenigen Tagen verstärkt eingesetzten Dieseltriebwagen der Baureihe VT 628/928, die teilweise auch schon fast zwanzig Jahre alt sind, feiert Klein als Erfolg und bezeichnet deren Einsatz "gewissermaßen als erste Zwischenstufe" auf dem Wege zur Modernisierung der Strecke Gießen - Fulda.

Fakt sei, so Werner Filzinger von Pro Bahn & Bus, dass die Deutsche Bahn AG seit wenigen Tagen zwischen Lauterbach und Fulda nur deshalb noch mit Dieseltriebwagen fahren dürfe, weil ein Brückenbauwerk bei Bad Salzschlirf marode sei. Das Eisenbahnbundesamt (EBA) habe daraufhin die Befahrung mit den schweren Dieselloks der Baureihe 215 untersagt. Lediglich der morgendliche Schülerzug dürfe aufgrund der geringeren Achslast noch mit einer Diesellok der Baureihe 212 über diese Brücke fahren. Da nicht genügend Triebwagen der Baureihe VT 628/928 vorhanden seien um die lokbespannten Züge zu ersetzen, wurden von der Lahntalbahn sowie von der Rhönbahn Dieseltriebzüge abgezogen. Die Folge ist, dass nunmehr dort die lokbespannten Züge mit zum Teil redesignten Silberlingen fahren.

Für die bereits für ca. 11 Mio. Euro modernisierte Rhönbahn Fulda-Gersfeld bedeutet der Abzug der Triebwagen eine Komfortverschlechterung für die Fahrgäste. Obendrein verteuert sich für die Deutsche Bahn AG der Betrieb der Strecke Fulda - Gersfeld durch den jetzt wieder notwendigen Einsatz von Zugbegleitern. Diese "Notmaßnahme" der Öffentlichkeit als Verbesserung zu verkaufen sei schon ungeheuerlich, so Filzinger. Zudem gebe es durch den Einsatz der Triebwagen auf der Vogelsbergbahn zu den Hauptverkehrszeiten nun erhebliche Kapazitätsengpässe. Die Beschwerden der Bahnreisenden häuften sich in den letzten Tagen enorm.

Kritik übt der Fahrgastverband auch an der geplanten Modernisierungsmaßnahme der Vogelsbergbahn. "Dass eine Modernisierung der 106 Kilometer langen Strecke Gießen - Fulda dringenst erforderlich ist", so Filzinger, "stehe außer Frage. Nur wie diese 90 Millionen Euro-Modernisierung umgesetzt wird ist noch mit vielen Ungereimtheiten verbunden." Beim vorliegenden Modernisierungskonzept könne Pro Bahn & Bus bislang keine gravierenden Verbesserungen erkennen. Wenn man eine weiterhin geplante miserabele Anschlusssituation in Fulda, kaum verbesserte Abendverkehre, unwesentliche kürzere Reisezeiten gegenüber der heutigen Situation als große Verbesserung propagiere sei die geplante Investitionssumme nicht gerechtfertigt.

Der Fahrgastverband hat im vergangenen Jahr eine Zielkonzeption vorgestellt, die deutlich gemacht hat, wie ein vernünftiges Angebot aussehen könnte und welche Infrastrukturmaßnahmen dafür erforderlich sind. „Aber offenbar ist es nur wichtig für teueres Geld Alsfeld als zentralen Provinz-Bahnknotenpunkt herauszuputzen mit der Konsequenz, dass an den Endbahnhöfen Zuganschlüsse nicht funktionierten und die gut eingeführten Stadtbusanschlüsse an den Bahnhöfen in Grünberg und Lauterbach gekappt werden." Pro Bahn & Bus fordert daher für das Jahrhundertprojekt Vogelsbergbahn eine vernünftige Planung, die den berechtigten Interessen und Erwartungen der Fahrgäste gerecht wird.