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16. Januar 2003
Horlofftalbahn: Zurück zur Behördenbahn
(Wetteraukreis/Landkreis Gießen) Scharfe Kritik am Vorgehen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) übt der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus. Obwohl der Wetterauer Kreistag einstimmig die Wiedereinsetzung des zum Fahrplanwechsel gestrichenen morgendlichen Schülerzuges von Hungen nach Friedberg verlangt hatte, sieht sich der Verkehrsverbund dazu außerstande und begründet dies mit "Triebwagenmangel" seines Auftragunternehmers Butzbach-Licher-Eisenbahn (BLE). Der Fahrgastverband sieht sich in Zeiten vor der Bahnreform zurückversetzt, in der "die Angebotsstruktur zentral am grünen Tisch geplant wurde". "Wie einst zu Bundesbahnzeiten gilt jetzt offenbar wieder die Devise: Die Betroffenen vor Ort haben die Zugstreichung gefälligst zu schlucken", sagt Petra Becker, Vorsitzende von Pro Bahn & Bus.
Die Regionalisierung des Nahverkehrs in Hessen sieht der Verband am Scheideweg. Becker bezeichnet es als "Skandal, dass einem Landkreis durch den Aufgabenträger die bestellte Leistung verweigert wird". Politisches Ziel der Regionalisierung war es einst, die Gestaltung des Angebots vor Ort anzusiedeln. "Die Tatsache, dass im konkreten Fall der einstimmig geäußerte Willen des Wetterauer Kreistags grob ignoriert wird, zeigt, dass wir uns in Hessen in Sachen Nahverkehr auf dem Weg zurück in obrigkeitsstaatliche Strukturen befinden und die Angebotsgestaltung mehr und mehr demokratischer Kontrolle entzogen wird", so Becker.
"Enttäuscht" zeigt sich Pro Bahn & Bus über die ablehnende Haltung des Streckenbetreibers BLE. "Ein Dienstleistungsunternehmen, das sich außerstande sieht, die Wünsche seines größten Kunden zu erfüllen, muss sich nach seinem Selbstverständnis fragen lassen." Der Verband macht geltend, dass "mit der vorhandenen Anzahl an Triebwagen gefahren werden kann", wenn "auf den von uns vorgelegten Fahrplanentwurf zurückgegriffen wird".
Außerdem könnten RMV und Wetteraukreis einen zusätzlichen Zug auch bei der DB AG-Tochter DB Regio bestellen. "Am Bedarf vorbei" geht aus Sicht des Fahrgastverbandes der zusätzlich eingesetzte Schülerzug um 13:48 Uhr ab Friedberg: "In Wölfersheim und Umgebung werden 2000 Unterschriften gesammelt und der RMV setzt einen zusätzlichen Zug nach Nidda ein. Diese Vorgehensweise passt in das Bild, dass nicht der politische Wille vor Ort, sondern Entscheidungen am grünen Tisch über die Zukunft des öffentlichen Verkehrs im Wetteraukreis befinden."
Als "Tiger gesprungen und als Bettvorleger geendet" sieht Pro Bahn & Bus Landrat Rolf Gnadl. Dieser hatte vor dem Kreistag gefordert, dass die BLE notfalls einen zusätzlichen Triebwagen anmieten soll, um den Schülerzug wieder zu fahren. "Die Geschwindigkeit, mit der Gnadl jetzt klein bei gibt, ist bemerkenswert", so Petra Becker abschließend.
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