7. November 2002 - Arbeitsgemeinschaft Bahndreieck Spessart

Mottgers-Spange verkehrlich nur dritte Wahl

Der mögliche Nutzen der Mottgers-Spange im Nordspessart-Korridor bleibt nach Auffassung der "Arbeitsgemeinschaft (ARGE) Bahndreieck Spessart" deutlich hinter dem der übrigen Varianten zurück. Sowohl verkehrliche Gründe als auch Lärmschutzaspekte sprechen für die Optimierung einer weitgehend an die A66 angelehnten Direkt-Trassierung. Zwischen Fulda und Frankfurt/M fahren über dreimal soviel Fernzüge wie zwischen Würzburg und Frankfurt/M. Die Investition in Neubaugleise ist am stärkeren der beiden Fernverkehrsströme auszurichten.

"Allein schon aus ökonomischen Gründen muss man vorrangig dort investieren und verbessern, wo sich der Bedarf aufsummiert. Bundesweit entsteht durch den Ausbau der Achsen Frankfurt - Darmstadt - Mannheim, Stuttgart - Ulm und Augsburg - München im Konsens mit den beteiligten Ländern ein fast durchgehender Schnellfahrkorridor vom Rhein/Main-Raum bis an die Isar. Zusätzliche Sprinterzüge unter Auslassung von ICE-Systemhalten wie Aschaffenburg oder Würzburg großräumig über Nürnberg zu leiten, macht betrieblich kaum Sinn. Damit ist das zentrale Argument für die Mottgers-Spange entfallen", so Helmut Schultheiß, Regionalreferent beim Bund Naturschutz in Bayern (BN).

"Die begrüßenswerte Zusage der DB AG, Aschaffenburg im Fernverkehr nicht schlechter als im Fahrplan 2002 zu bedienen, ist auch ohne Mottgers-Spange durch einen zweigleisigen Ausbau im Bereich Heigenbrücken in Verbindung mit einer durchgreifenden Modernisierung der Strecke Hanau - Aschaffenburg - Laufach voll und ganz einzulösen", so Ernst Croner, Vorsitzender des PRO BAHN-Regionalverbandes Unterfranken.

"Ein solches Konzept passt hervorragend in den Integralen Taktfahrplan und wird in Unterfranken von einer breiten Mehrheit vor Ort unterstützt. Die ICE-Systemhalte Aschaffenburg und Hanau können zudem durch ein gemeinsames Regio-Stadtbahnnetz nach dem Modell Karlsruhe noch weit besser mit dem Umland vernetzt und somit dauerhaft gesichert werden", ergänzt Matthias Striebich, Landesvorsitzender des VCD-Bayern.

Stefan Sitzmann, Vorstandsmitglied von Pro Bahn & Bus Hessen: "Der Korridor 'Fulda - Knoten Frankfurt - Mannheim' bildet eine Funktionseinheit - und das an zentraler Stelle im europäischen Eisenbahnnetz. Jeder dritte DB-Fernzug wird von einem Ausbau im Rahmen des Bundesverkehrswegeplans profitieren." Für zusätzliche Zeitbindungen im Süden, z.B. zusätzliche ICE-Halte in Darmstadt, sind entsprechende Fahrzeitkürzungen im Norden nötig. Mit der umwegigen, keineswegs billigen und im europäischen Vergleich dennoch recht 'langsamen' Mottgers-Spange ist das nicht zu machen. "Völlig unakzeptabel wäre es, den Fahrzeitausgleich für den unnötigen Umweg durch den Nordspessart durch Streichung bestehender ICE-Halte in Hanau oder Fulda zu erzielen. Anschlussgefüge und Pünktlichkeit dürfen sich nicht ausgerechnet auf Kosten der vom Ausbau betroffenen Ballungsrandregionen in Hessen und Bayern verschlechtern. Um dies zu vermeiden, sind im hessischen Abschnitt Fulda - Frankfurt/M deutliche Fahrzeitkürzungen im Bereich von 9 Minuten erforderlich", so Sitzmann.

"Die Position der Verkehrs- und Umweltverbände ist klar: Volkswirtschaftlich und verkehrlich sind die Investitionsmittel zum Aufbau einer schnellen Direktverbindung zwischen Fulda und Hanau zu verwenden. Dort muss - wie ehedem bei der A66 - vor Ort um die verträglichste Lösung gerungen werden. Neubau bedeutet hierbei zugleich auch Lärmsanierung. Die Mottgers-Spange ist und bleibt dagegen nur Dritte Wahl - unakzeptabel für eine Entscheidung von europäischer Tragweite", so Helmut Schultheiß abschließend.