17. April 2002 - Mittelhessen/Osthessen

Fahrgastverband fordert offene Diskussion über Modernisierung der Vogelsbergbahn

(Lauterbach/Pohlheim) Man stelle sich einmal vor, jemand möchte ein Haus bauen. Der Architekt nennt nur verschiedene Wohnflächen und die Endpreise. Auf Grund dieser Vorgaben soll der Bauherr vorab das Geld bereitstellen. Die Feinplanung beginnt erst nach Abschluss des bindenden Vertrages.
So ähnlich kann man sich die Situation bei der Modernisierung der Vogelsbergbahn vorstellen.


Der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) hat den Entscheidungsträgern vor Ort (Landkreise Fulda, Gießen, Vogelsberg sowie die Städte Gießen und Fulda) bis heute keine detaillierte Gesamtplanung für die 106 km lange Strecke vorgelegt. Lediglich einige grob skizzierte Varianten des Zentrums für Intregrierte Verkehrssysteme (ZIV) an TU Darmstadt liegen bislang vor.

Bereits in wenigen Monaten will der RMV eine Planungsvereinbarung abschließen und benötigt dazu die Finanzzusagen der Landkreise und Städte. Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus bezweifelt allerdings, dass der Zeitplan eingehalten werden kann. "Das vorgelegte Material ist völlig unzureichend um weitreichende Entscheidungen zu treffen", sagt die Verbandsvorsitzende Petra Becker.
"Es ist nicht bekannt welche Fahrzeugtypen eingesetzt werden sollen. Auch ein konkretes Fahrplankonzept mit den daraus resultierenden Infrastrukturmaßnahmen fehlt."

Die Auswirkungen auf den Busverkehr finden bislang überhaupt keine Berücksichtigung. Unter anderem sind die Stadtbusse in Lauterbach und Grünberg sowie die Lokalbusse in Großen-Buseck, Reiskirchen, Grünberg, Mücke, Nieder-Gemünden, Alsfeld, Lauterbach und Bad Salzschlirf betroffen.

Der RMV favorisiert zurzeit eine vierte Bahnsteigkante im Bahnhof Alsfeld, damit sich zeitgleich Regionalbahnen und Regionalexpress-Züge begegnen und überholen können. "Wie dies auf einer eingleisigen Vogelsbergbahn ohne lange Wartezeiten funktionieren soll, hat der RMV noch nicht verraten. Pro Bahn & Bus wendet sich entschieden gegen einen zentralen Kreuzungspunkt, da dieser schlechte Anschlüsse in Fulda oder Gießen zur Folge haben wird."

"Hätte der RMV ein konkretes Fahrzeitkonzept vorgelegt, wäre deutlich geworden, dass die angedachten Investitionen von 40 Mio Euro (überwiegend aus Bundesmitteln) bislang keine entscheidenden Verbesserungen erkennen lassen", sagt Petra Becker.