27. März 2002 - Südhessen/Rhein-Neckar

Gemeinsame Presseinformation
von BUND Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland, Landesverband Hessen e.V., Fahrgastverband Pro Bahn & Bus e.V., VCD Verkehrsclub Deutschland Landesverband Hessen e.V. und Landesverband Baden-Württemberg e.V.

Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim muss schnellstmöglich kommen
250 km/h-Durchfahrt für Darmstadt und Umfahrung von Mannheim abgelehnt


BUND, Pro Bahn & Bus und VCD bestärken DB in der Wahl der Trasse I A und fordern schlüssiges Verkehrskonzept für die Region


(Frankfurt am Main) "Die Neubaustrecke Frankfurt - Mannheim ist längst überfällig. Jede weitere Verzögerung bremst die Lösung der zentralen Verkehrsprobleme im Rhein-Main-Neckar Gebiet aus. Die Planungen müssen nun rasch abgeschlossen werden. Teure Unsinnig-keiten wie eine Hochgeschwindigkeitsdurchfahrt durch Darmstadt Hbf oder eine weitere Umfahrung von Mannheim Hbf sind schleunigst zu den Akten zu legen," so Brigitte Martin vom BUND Hessen. In einem gemeinsamen Konzept von Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Pro Bahn & Bus und dem Verkehrsclub Deutschland (VCD) sprechen sich die Verbände für eine direkte Trasse von Frankfurt-Zeppelinheim entlang der A5, A67 und A6 nach Mannheim-Waldhof aus. Darmstadt soll durch einen leistungsfähigen zweigleisigen Abzweig bei Weiterstadt Anschluss an die Neubaustrecke erhalten.

"Mit einer Nordanbindung würde Darmstadt, die Bergstraße und die Achse nach Dieburg / Aschaffenburg endlich attraktiv an den Flughafen angebunden. Ein solches Konzept ist wesentlich intelligenter als die vage Hoffnung, dass mit einer Schnellbahnschneise durch Darmstadt ein paar zusätzliche ICE-Halte abfallen. Diese Strategie ist bereits in Wiesbaden, Limburg und Montabaur gescheitert. Die Fernzugfahrpläne haben sich an übergeordneten Notwendigkeiten zu orientieren, in die einzelne ICE-Halte für Darmstadt nun einmal nicht hineinpassen, ohne dass anderswo wichtige Anschlüsse verloren gehen. Der ICE ist kein Nahverkehrszug.", so Christian Behrendt vom Fahrgastverband Pro Bahn & Bus.

In dem Konzept der Verbände ist neben der halbstündlichen Führung regionaler Sprinterzügen auf dem Kernabschnitt Darmstadt - Flughafen - Wiesbaden eine jeweils stündliche Ver-längerung nach Aschaffenburg und an die Bergstraße vorgesehen. Die bestehende RE-Linie Frankfurt - Darmstadt - Mannheim soll künftig auf ein Stundentakt verdichtet werden. Weiterhin soll Darmstadt zusammen mit der Bergstraße und Heidelberg mit je einer stündlichen IC-Linie Richtung Karlsruhe bzw. Stuttgart und Richtung Frankfurt Hbf - Gießen bzw. Flughafen - Mainz angebunden werden. Da dieses System 800.000 Einwohner abseits des ICE-Systems erschließt, wird es nach Ansicht der Verbände auch dauerhaft Bestand haben. "Wichtiger als wenige ICE-Halte für Darmstadt ist ein verlässliches Fernverkehrssystem, welches vor allem in Karlsruhe und Stuttgart weiterführende Anschlüsse vermittelt und in Richtung Rhein und Mittel-hessen Direktverbindungen anbietet. Mit drei Zügen pro Stunde zum Flughafen wäre Darmstadt wesentlich besser an dieses Fernverkehrskreuz angebunden, als mit wenigen ICE-Halten am Tag", so Stephan Kyrieleis vom VCD Hessen.

Zwischen Frankfurt und Mannheim fordern die Verbände eine enge Bündelung der Neubau-strecke mit vorhandenen Autobahnen. "Für uns kommt nur eine Trasse entlang der A67 in Frage, da die A5 mit ihren zahlreichen Kurven und Anschlussstellen eine enge Bündelung nicht zulässt. Die Neubaustrecke muss flächensparend auf den vorhandenen Vorhalteflächen für den sechsspurigen Autobahnausbau gebaut werden. 16 Autobahnspuren stehen in der Region nur sechs Gleise gegenüber. Mit der neuen Schnellbahn gibt es keinen weiteren Autobahn-ausbaubedarf. Im Bereich Lampertheim soll die Strecke in enger Bündelung zur A67 und A6 durch den Panzerwald führen.

Die Trasse C an Lampertheim-Neuschloß vorbei (Vorschlag des Raumordnungsverbandes) bringt zwar eine Minute Fahrzeitgewinn, zerschneidet aber im hohen Maße wichtige Nah-erholungswälder", so Brigitte Martin vom BUND Hessen. Eine Trassenführung durch Darmstadt und auch der große Bypass in Mannheim bringen erhebliche Probleme und seien deswegen abzulehnen, so die Verbände.

Bezüglich Mannheim bezweifeln die Verbände eine Notwendigkeit für einen weiteren Bypass. "Der von Bahnchef Hartmut Mehdorn eingeforderte und von uns unterstützte Lückenschluss zwischen den Neubaustrecken dient zur Verbindung der Fernzugknoten Frankfurt Hbf / Flughafen mit dem wichtigen Umsteigepunkt Mannheim Hauptbahnhof bei anschlussgerecht kurzen Fahrzeiten. Bereits seit 1985 besteht mitten durch Mannheim eine hochleistungsfähige Neubaustrecke bis Mannheim-Waldhof. Wer ernsthaft behauptet, mit fünf Minuten Fahrzeit-gewinn genug Fahrgäste für 48 zusätzliche Sprinter-ICE pro Tag gewinnen zu können, lebt in Wunsch-Traumwelten", so Felix Berschin vom VCD Baden- Württemberg.

Die Neubaustrecke von Mannheim nach Stuttgart hat trotz Halbierung der Fahrzeit und 40 Minuten echter Fahrzeitersparnis gerade mal 2/3 der bezüglich Mannheimer Bypass unter-stellten Nachfragesteigerung gebracht. Nach Ansicht des VCD gibt es im DB Management offensichtlich ehemalige Flugverkehrsmanager, die den ICE das Fliegen beibringen wollen und mit Volldampf an jenen Potenzialen vorbeifahren, die derzeit vom Straßenverkehr gebunden werden.

Die Verbände appellieren an den Bund alles zu tun, damit die Neubaustrecke schnellstmöglich gebaut wird. Das für den Erhalt des Eisenbahnnetzes und den Ausbau des Knotens Frankfurt dringend benötigte Geld darf nicht in sinnlosen Prestigeprojekten verschleudert werden, wie etwa durch eine 300 Mio. Euro teure DB-Fehlplanung "Bypass Mannheim". Die Verbände fordern das Land Hessen sowie die Aufgabenträger für den ÖPNV auf, mögliche Geldgeschenke an den Bund und die DB für eine Durchfahrt durch Darmstadt zu unterlassen und stattdessen endlich integrierte Verkehrskonzepte zu entwickeln und zu bestellen, die einer Wachstumsregion angemessen sind.


Konzept Neubaustrecke RheinMain - RheinNeckar mit integriertem Baustein DARMSTADT PLUS