4. Februar 2002 - Mittelhessen

"Strecke Hungen - Friedberg wird willkürlich kaputtgerechnet"
Fahrgastverband Pro Bahn & Bus weist Kritik an seinen Berechnungen zurück


(Wetteraukreis/Landkreis Gießen) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus weist die Kritik im Zusammenhang mit seinen Berechnungen zur Zugkilometerzahl auf der Bahnstrecke Hungen - Friedberg zurück. Der Pressesprecher des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV), Peter E. Vollmer, hatte diese gegenüber dem Gießener Anzeiger ungeprüft als falsch bezeichnet. Pro Bahn & Bus hatte anhand der Fahrpläne aus den Jahren 1993 bis heute die jährlich zurückgelegten Zugkilometer errechnet und war zu völlig anderen Werten gekommen, als der Verkehrsverbund.

"RMV-Geschäftsführer Volker Sparmann hat am 28. Februar auf einer Veranstaltung in Berstadt die Erklärung für die Abweichungen geliefert", sagt die Vorsitzende von Pro Bahn & Bus, Petra Becker. Danach berechnet der Verbund die Zugleistungen auf der Strecke Hungen - Friedberg nur für den Abschnitt Hungen - Beienheim. "Alle Kilometer, die auf den Abschnitt Beienheim - Friedberg entfallen, werden der Strecke Nidda - Friedberg zugerechnet", so Becker.

Der gleiche Umstand trifft nach Aussage des Fahrgastverbandes auch auf die Errechnung der Kennziffer "Reisendenkilometer pro Streckenkilometer" (Rkm/km) zu. Nach einer Gesetzesvorlage der Bundesregierung sollen künftig nur noch Zugleistungen durch den Bund finanziert werden, wenn eine Strecke einen Mindestwert von 500 Rkm/km erfüllt. Der RMV kommt für Hungen - Friedberg nach eigenen Aussagen auf einen Wert von ca. 310. "Aber auch diese Kennziffer wurde nur für Hungen - Beienheim ermittelt", so Petra Becker. "Sie unterstellt, dass keine Reisenden über Beienheim hinaus weiterfahren. Auch das entspricht nicht der Realität." Nach der letzten vorliegenden Fahrgastzählung aus dem Jahr 1999 hat die Strecke ca. 960 Ein- und Aussteiger. Unter der Annahme, dass die meisten Fahrgäste (angenommen wurden ca. 900) bis Friedberg durchfahren, kommt die Gesamtstrecke Hungen - Friedberg auf einen Wert von ca. 520 RKm/km.

"Es stellt sich die Frage, wer hier falsche Berechnungen abliefert und vor allem weshalb", so das Fazit von Petra Becker. "Wenn man eine Strecke willkürlich kaputtrechnen will, um sie stillzulegen, ist die Berechnungsweise des RMV richtig."Sparmann hat die Berechnungsmethode damit begründet, dass die Horlofftalbahn im Zuge der Bahnreform in die Teilstrecken Nidda - Friedberg und Hungen - Beienheim aufgeteilt wurde. Die Einteilung sei von der damaligen Bundesbahn so übernommen worden. Pro Bahn & Bus hat diese Aussage recherchiert und dafür keine Bestätigung gefunden. "Somit bleibt festzustellen, dass es sich bei der vom RMV vorgenommenen Zuordnung der Zugkilometer zu den jeweiligen Teilstrecken um reine Willkür handelt", schlussfolgert Becker. "Eine Willkür, die dazu führt, dass die Strecke Nidda - Friedberg schön- und die Strecke Hungen - Friedberg kaputtgerechnet wird. Bei unseren Berechnungen wurden die Zugkilometer verursachungsgerecht den beiden Strecken zugeordnet. Sie geben die tatsächlichen Verhältnisse wieder und keine willkürlich getroffenen Aufteilungen."