14. Januar 2002 - Rhein-Main

Kooperation von Kreisstadt und Kreis überfällig
Hanauer FDP-Initiative für gemeinsames Nahverkehrsmanagement wegweisend


(Hanau) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus begrüßt nachdrücklich die Initiative der Hanauer FDP für eine engere Kooperation zwischen der Kreisstadt und dem Main-Kinzig-Kreis. Zur Gründung einer gemeinsamen 'Lokalen Nahverkehrsgesellschaft Main-Kinzig/Hanau' gibt es aus fachlicher Sicht auf Dauer keine vernünftige Alternative. Politisch würde damit zugleich der Forderung nach Integration des gesamten Main-Kinzig-Kreises in die Region Rhein-Main glaubwürdig Nachdruck verliehen.
Im Zuge des Eisenbahn-Konzeptes 'Rhein/Main 2010 Plus' stehen in Kürze wichtige Weichenstellungen zum Ausbau des Knotens Frankfurt am Main, des nordmainischen Schienenkorridors sowie des Netzdreiecks Fulda - Hanau - Würzburg an.

Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund erhofft sich Pro Bahn & Bus von einer engeren Zusammenarbeit beim Nahverkehrsmanagement gewichtige Vorteile:

- Wirksame Mitgestaltung anstehender Jahrhundert-Entscheidungen

- Vermeidung von Doppelarbeit und Reibungsverlusten

- Anhebung des inhaltlichen Diskussionsniveaus

- Schaffung eines Fahrgastbeirates für den gesamten Main-Kinzig-Kreis


Bereits im Jahre 2000 hatte die Stadt Hanau in Aussicht gestellt, den u.a. vom Verkehrsclub Deutschland (VCD) initiierten und bislang privat organisierten 'Fahrgastbeirat Hanau' bei der Stadt Hanau anzusiedeln - bislang jedoch ohne greifbares Ergebnis. Der 'Fahrgastrat' der Hanauer Straßenbahn (HSB) als "handverlesenes" Beratungsinstrument eines einzelnen Verkehrsbetriebes kann demgegenüber die viel breiteren, betreiberübergreifenden Belange der Bahn- und Buskunden in und um Hanau nicht abdecken.

Die Vorsitzende von Pro Bahn & Bus, Petra Becker, lobt in diesem Zusammenhang den Hessischen Minister für Wirtschaft und Verkehr, Dieter Posch, in dessen Zuständigkeit zugleich die Raumordnung fällt. "Der Minister hat auf zahlreichen Fachveranstaltungen konsequent die Funktionstrennung von öffentlichem Bestell-Management einerseits und den Verkehrsunternehmen andererseits vertreten. Es ist ein Anachronismus, wenn z.B. im Auftrag eines RMV-Gesellschafters die Ausschreibungen von Busleistungen erfolgt - und man sich nur eine Bürotür weiter um eben diesen Auftrag bemüht."

Verkehrsunternehmen wie die HSB stehen zunehmend im Wettbewerb um die Erbringung qualitativ hochwertiger Verkehrsleistungen. Für die Regional- und Nahverkehrsplanung hingegen sind aus guten Gründen die Gebietskörperschaften gesetzlich zuständig. Wie das Beispiel Darmstadt-Dieburg in der Südregion Starkenburg zeigt, sind sachbezogene Kooperationen wie die "Darmstadt-Dieberger Nahverkehrsorganisation" sehr erfolgreich. Vom ländlichen Busverkehr über die Straßenbahn bis zur ICE-Anbindung integrieren sie die Interessen von Darmstadt und dem Kreis Darmstadt-Dieburg zum Wohle des gemeinsamen Standortes.
Solche Beispiele sollten im Raum Hanau Schule machen. In der Verwaltung der Stadt Hanau mangelt es keineswegs an Kompetenz und Engagement, nur leider werden diese Tugenden durch fehlende Entfaltungsmöglichkeiten blockiert. Für den übrigen Main-Kinzig-Kreis existiert schon seit Jahren die 'Kreisverkehrsgesellschaft Main-Kinzig' mit Sitz in Gelnhausen.

Petra Becker abschließend: "Der Main-Kinzig-Kreis liegt im Schnittpunkt von milliardenschweren Schienenverkehrsbauprojekten. Es ist höchste Eisenbahn, dass Kreisstadt und Kreis die organisatorischen Voraussetzungen für eine ernsthafte Kooperation bei der Nahverkehrsplanung schaffen. Kleinliche Befindlichkeiten haben in der Euro-Region Rhein/Main nichts mehr zu suchen."