17. Dezember 2001 - Mittelhessen

Fahrplankonzept "Wetterau-Netz 2003" vorgestellt

(Wölfersheim) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus hat seine Vorstellungen für den Zug- und Busverkehr im sogenannten "Wetterau-Netz" für das Jahr 2003 dargelegt. Mit dem "Fahrplankonzept Wetterau-Netz 2003" will der Verband eine Alternative zu den vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) vorgelegten Planungen für den Betrieb der Eisenbahnstrecken im Dreieck Gießen - Gelnhausen - Friedberg und des korrespondierenden Busnetzes anbieten.

Im "Wetterau-Netz" plant der RMV drastische Einschnitte. Die Orte Hungen, Inheiden und Berstadt sollen ihre Schienenanbindung in das Rhein-Main-Gebiet verlieren. Auf dem verbleibenden Restabschnitt der Horlofftalbahn zwischen Wölfersheim und Beienheim ist eine Reduzierung des Zugangebotes um 33% auf zehn Zugpaare pro Tag vorgesehen.
Auf der Lahn-Kinzig-Bahn Gießen - Hungen - Nidda - Gelnhausen sollen Züge gestrichen werden. Stattdessen sollen die Fahrgäste mit Bussen fahren, die bis zu drei mal so lang unterwegs sind wie die Züge.

Pro Bahn & Bus fordert den RMV und die betroffenen Landkreise Gießen und Wetterau auf, bereits vorliegende Gutachten in die Tat umzusetzen. Im Beschlussvorschlag für den RMV-Aufsichtsrat wurde festgestellt: "Das Fahrgastpotenzial ist zwischen Hungen und Wölfersheim nicht entwickelbar." Dem widerspricht das vom RMV in Auftrag gegebene Gutachten vom November 1998 ("Potenzialanalyse und betriebliche Untersuchung der SPNV-Linien 31, 32 und 36"). In diesem heißt es unter Annahme einer umsteigefreien Verbindung aus dem Raum Hungen - Wölfersheim nach Friedberg: "Auf der Strecke 31 (Friedberg - Hungen) ergeben sich Fahrgastzuwächse von 80 % vor allem durch den Wegfall des Umsteigezwanges in Beienheim."

"Die Rezepte liegen seit zwei Jahren in der Schublade des RMV. Nun müssen sie endlich angewendet werden", betont die Verbandsvorsitzende Petra Becker. "Wir haben auf Basis der vom RMV beauftragten Potenzialuntersuchung ein Fahrplankonzept für das Jahr 2003 ausgearbeitet".

Folgende Eckpunkte fordert Pro Bahn & Bus für das Netz 2003:

- Erhalt der gesamten Horlofftalbahn (Hungen - Friedberg)

- Mehr durchgehende Züge zwischen Hungen und Friedberg

- Herstellung eines vollwertigen Taktknotens in Nidda (Anschlüsse jede Stunde - jede Richtung Bus/Schiene)

- Verdichtung des Taktes auf dem Abschnitt Friedberg - Beienheim zum Halbstundentakt

- Verlagerung des schienenparallelen Schulbusverkehrs Wölfersheim - Hungen auf die Schiene

- Verbesserung der Busanschlüsse in Friedberg, Hungen und Nidda

- Leerfahrten für Verkehr freigeben

Folgende Verbesserungen lassen sich damit erzielen:

- Umsteigen in Beienheim wird vom Regel- zum Ausnahmefall

- In Hungen wird durch die Anpassung der Lahn-Kinzig-Bahn eine Anschlussmöglichkeit von Gießen in Richtung Friedberg hergestellt

- Erreichen von stündlichen Anschlüssen zur Minute 15/45 an schnelle Züge (InterRegio, RegionalExpress) in Friedberg Richtung Gießen und Frankfurt

- Halbierung der Wartezeit der beiden abendlichen Verstärkerzüge von Friedberg nach Hungen in Wölfersheim

- Harmonisierung der Schrankenschließungen in Hungen


In dem Konzept für 2003 hat der Fahrgastverband darauf Wert gelegt, die Fahrzeugkapazitäten durch Vermeidung von Leerfahrten und langen Betriebspausen besser auszulasten. Er schätzt, dass das Betriebsprogramm für Bus und Schiene pro Jahr zwischen 50.000 und 100.000 Euro je Landkreis mehr kostet. Damit erwartet er eine deutliche Zunahme der Fahrgastzahlen, wie sie im RMV-Gutachten prognostiziert sind.

Zu dem vom RMV genannten Investitionsbedarf von ca. 10,38 Millionen Euro für den - laut DB Netz AG - sanierungsbedürftigen Streckenabschnitt Wölfersheim - Hungen merkt Pro Bahn & Bus an, dass diese Kosten allein Sache der DB Netz sind. "Der Unterhalt der Strecke wird von DB Netz gewährleistet, die dafür von den auf ihren Strecken fahrenden Eisenbahnunternehmen Trassenpreise kassiert. Die Erneuerung von Bahnübergangssicherungsanlagen wird nach dem Eisenbahnkreuzungsgesetz finanziert. Auch hier tragen die Aufgabenträger (Kreisverkehrsgesellschaften) keine Kosten", stellt Petra Becker fest.
Darüberhinaus stellt sich für Pro Bahn & Bus die Frage, ob die angegeben Summen überhaupt realistisch sind, zumal die einzelnen Ausgabeposten nicht detailliert erläutert werden.

Der Verband fordert für einen optimalen Betrieb gezielte Investitionen mit Augenmaß, um die Fahrgeschwindigkeit der Züge zwischen Hungen und Lich sowie zwischen Beienheim und Hungen zu erhöhen. Damit könnten in Hungen Umsteigebeziehungen hergestellt werden und für weitere Fahrgastzuwächse sorgen.

Wichtig ist für Pro Bahn & Bus, dass die Kommunalpolitiker dem RMV und der DB Netz keinen Blanko-Scheck ausstellen, indem sie die vorgelegten Zahlen ungeprüft übernehmen. "Eine Entscheidung, welche die wirtschaftliche Entwicklung der Region für die nächsten Jahrzehnte bestimmt, muss ausführlich erörtert werden", sagt Petra Becker abschließend.

Das Fahrplankonzept gibt es kostenlos hier oder auf CD-ROM incl. Versand für 5 Euro bei Pro Bahn & Bus Mittelhessen, Postfach 11 21, 35411 Pohlheim.