12. Dezember 2001 - Mittelhessen

Mittelhessischer Verkehrsverbund besserer Weg?
Fahrgastverband sieht Region angesichts der aktuellen RMV-Planungen am Scheideweg


(Mittelhessen) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus hält es für sinnvoll, wieder über die Gründung eines mittelhessischen Verkehrsverbundes nachzudenken. Auslöser sind die aktuellen Planungen des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) im sogenannten "Wetterau-Netz". Bekanntlich will der Verbund die Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim stilllegen und auf der Lahn-Kinzig-Bahn Gießen - Gelnhausen Züge durch Busse ersetzen.

Die Vorgehensweise, einen Aufsichtsratsbeschluss herbeizuführen, ohne den lokalpolitischen Gremien vorher Gelegenheit zur Beratung zu geben, zeugt nach Ansicht von Pro Bahn & Bus von der Geringschätzung, die der Verkehrsverbund der Region Mittelhessen beimisst. Der Fahrgastverband sieht Kritiker bestätigt, die Anfang der neunziger Jahre vor einem Beitritt zum RMV gewarnt hatten. Hauptmotiv war damals die Befürchtung, dass in einem Rhein-Main-Verbund die mittelhessischen Interessen nicht ausreichend berücksichtigt würden.

Tatsächlich hat der Verbund gleich zu seinem Start im Jahr 1995 die östliche Aar-Salzböde-Bahn von Niederwalgern nach Hartenrod (Kreis Marburg-Biedenkopf) stillgelegt, seinerzeit verbunden mit der Neukonzeption des Zugangebotes auf dem Westabschnitt Hartenrod - Herborn (Lahn-Dill-Kreis). Wie kurz die Halbwertszeit solcher "Neukonzeptionen" ist, zeigte sich zum diesjährigen Fahrplanwechsel, als auch der verbliebene Streckenabschnitt vom RMV stillgelegt wurde. "Dieses Beispiel lässt für das Wetterau-Netz Böses befürchten", so die Vorsitzende von Pro Bahn & Bus, Petra Becker.
Als Beispiel führt Becker den Beschlussvorschlag für die Horlofftalbahn an, in welchem festgestellt wird: "Das Fahrgastpotenzial ist zwischen Hungen und Wölfersheim nicht entwickelbar." Dem widerspricht ein vom RMV selbst in Auftrag gegebenes Gutachten vom November 1998 in dem es unter Annahme einer umsteigefreien Verbindung aus dem Raum Hungen - Wölfersheim nach Friedberg heißt: "Auf der Strecke 31 (Friedberg - Hungen) ergeben sich Fahrgastzuwächse von 80 % vor allem durch den Wegfall des Umsteigezwanges in Beienheim."

Vor dem Hintergrund der aktuellen RMV-Pläne sieht der Fahrgastverband Mittelhessen am Scheideweg. Für den Fall, dass sich der Verkehrsverbund durchsetzt, wird die Region vom Rhein-Main-Raum abgekoppelt und in ihren wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten beschnitten. Aus diesem Grund hält es Pro Bahn & Bus für ratsam, die Pläne aus den frühen neunziger Jahren "wieder aus der Schublade zu holen" und die Gründung eines mittelhessischen Verkehrsverbundes zum politischen Thema zu machen. "Die Region Mittelhessen hat besseres verdient, als einen Verkehrsverbund, der sie nur als lästigen Kostenfaktor betrachtet.", so Petra Becker abschließend.