30. November 2001 - Mittelhessen

Pohlheim und Lich sollen vom Rhein-Main-Gebiet abgekoppelt werden

(Pohlheim/Lich) Der Aufsichtsratsbeschluss des Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) vom 20.11.2001 könnte auch Folgen für die Region zwischen Pohlheim und Lich haben. Zu dieser Schlussfolgerung gelangt der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus nach Analyse der Beschlussunterlagen. Insbesondere der Stadt Lich steht mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Verschlechterung ihrer Verkehrsanbindung in Richtung Rhein-Main-Gebiet ins Haus.

Die Konzeption des RMV sieht die Einstellung des Verkehrs der Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim sowie die Ausdünnung des verbleibenden Abschnittes Wölfersheim - Friedberg um 33 % vor. Dafür soll auf der Bahnstrecke Friedberg - Nidda ein Wochenendverkehr eingeführt werden. Die Lahn-Kinzig-Bahn Gießen - Pohlheim - Lich - Nidda - Gelnhausen soll mit der Neukonzeption des RMV ebenfalls geschwächt werden. Es ist geplant, schwach besetzte Züge am frühen Morgen und am späten Abend zu streichen und durch Busse zu ersetzen. Samstags und sonntags sollen die Bahnen im Abschnitt Gießen - Nidda nur noch in der "Kernzeit" zwischen 8.00 und 16.00 Uhr verkehren.

Von den Streichungen könnte insbesondere der erste morgendliche Zug um 6.06 Uhr von Lich über Pohlheim (Abfahrt Garbenteich 6.12 Uhr, Watzenborn-Steinberg 6.15 Uhr) nach Gießen sowie der Spätzug in der Gegenrichtung betroffen sein. Dieser fährt um 21.10 Uhr von Gießen nach Lich und weiter nach Hungen. Sollte dieser Zug entfallen, müssten Reisende in Richtung Garbenteich - Lich - Langsdorf statt 20.22 Uhr bereits um 19.22 Uhr in Frankfurt losfahren, um per Zug schnell in die genannten Orte zu reisen.
Dass Busse keine Alternative sind, bekräftigt Pro Bahn & Bus durch einen Fahrzeitvergleich: Der Zug bewältigt die Strecke Gießen - Lich derzeit in 17 Minuten, die Buslinie 610 benötigt von Gießen bis zum Licher Schloss 41 Minuten.

Außerdem wird der Wochenendverkehr für Gelegenheitsreisende und der Freizeitverkehr unbrauchbar, wenn bereits nachmittags um 16.00 Uhr der letzte Zug in Gießen abfährt.

Gleichzeitig mit der Entscheidung zur "Neukonzeption" des Wetteraunetzes hat der RMV-Aufsichtsrat bschlossen, den Verkehr im Rhein-Main-Gebiet auszuweiten. Insbesondere die Einführung einer neuen S-Bahn-Linie S7 ins hessische Ried. Der Fahrgastverband sieht in den RMV-Plänen "eine schleichende Abkopplung des oberhessischen Raumes vom Rhein-Main-Gebiet", so Vorsitzende Petra Becker.