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22. November 2001 - Mittelhessen
Pläne des RMV stoßen auf massive Ablehnung:
Bündnisgrüne, VCD sowie Pro Bahn & Bus sprechen von "unrealistischen Zahlen"
(Wetteraukreis/Landkreis Gießen) Die vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) geäußerten Pläne zur Stilllegung der Horlofftalbahn zwischen Hungen und Wölfersheim und die sog. "Neukonzeption" des "Wetterauer Netzes" stoßen bei den politischen Interessenvertretungen vor Ort auf massive Ablehnung.
Dies unterstreichen die Bündnisgrünen im Landkreis Gießen und Wetterau sowie die beiden Fahrgastverbände Verkehrsclub Deutschland (VCD) und Pro Bahn & Bus in einer gemeinsamen Presseerklärung. Das Votum des RMV-Aufsichtsrates kann nur umgesetzt werden, wenn die Entscheidungsgremien in den beiden Landkreisen es bestätigen. Und um dies zu erreichen, schreckt der Verbund mittlerweile nicht mehr davor zurück, unrealistische Millionenbeträge in die Welt zu setzen.
Beispiel sind die von RMV-Pressesprecher Vollmer genannten 20 Millionen Mark für eine Streckensanierung. Allein 12 Mio. DM davon sollen auf eine Sanierung der Gleise zwischen Wölfersheim und Hungen entfallen. "Das ist ziemlich genau die Summe, die ein kompletter Neubau der Strecke in diesem Abschnitt kosten würde", unterstreicht Pro Bahn & Bus-Vorsitzende Petra Becker. "Eine Sanierung ist jedoch wesentlich günstiger als ein Neubau."
Ferner behauptet der RMV, dass diese Kosten von den Landkreisen zu tragen sind. Dies wird von Pro Bahn & Bus allerdings bezweifelt, denn Eigentümer der Gleise ist DB Netz AG. Bei den bisher durch den Bund finanzierten Zugleistungen handelt es sich lediglich um 3 Zugpaare zwischen Hungen und Friedberg, die nach der neuen Regelung künftig von Landkreisen und RMV gemeinsam finanziert werden müssten.
Auch die von RMV-Chef Volker Sparmann beworbenen Verbesserungsmaßnahmen entpuppen sich bei genauerem Hinsehen als unseriös. Verbesserungen auf einer Strecke (Friedberg - Nidda) sollen durch Verschlechterungen auf zwei anderen Strecken (Friedberg - Wölfersheim, Gießen - Nidda - Gelnhausen) erkauft werden. So soll der Abschnitt Wölfersheim - Friedberg zwar erhalten bleiben und durchgehende Züge erhalten, gleichzeitig wird die Anzahl der Fahrten montags bis freitags aber von derzeit 15,5 auf 10 Zugpaare reduziert. "Dies bedeutet das Ende des Halbstundentaktes in der Hauptverkehrszeit oder eine Ausdünnung tagsüber", so der Wölfersheimer Bündnisgrüne Michael Rückl.
Für die in Aussicht gestellten Verbesserungen auf der Linie Friedberg - Nidda soll neben dem Wölfersheimer Ast auch die Lahn-Kinzig-Bahn Gießen - Nidda - Gelnhausen als "Steinbruch" herhalten: Hier sollen morgendliche und abendliche Zugfahrten entfallen und der Samstagsverkehr zwischen Gießen und Hungen auf eine Kernzeit zwischen 8 und 16 Uhr "eingedampft" werden.
Davon betroffen sind die Städte Gießen, Pohlheim, Lich und Hungen. Zwar sollen die Züge dann samstags bis Nidda fahren, der Wetterauer Ostkreis mit Ranstadt, Glauburg, Ortenberg und Büdingen bliebe jedoch weiterhin abgehängt. "Wir lehnen es ab, dass die Kommunen im Landkreise Gießen als "Zugspender' herhalten sollen", sagt Wolfgang Macht von den Hungener Bündnisgrünen.
Mit seiner Vorgabe, dass die Verbesserungen "kostenneutral" zu realisieren seien, hat RMV-Chef Volker Sparmann deutlich gemacht, dass ihm die Region sprichwörtlich "keinen Pfifferling" wert ist. "Hier wird Politik gegen eine ganze Region gemacht", unterstreicht Udo Messer vom VCD-Kreisverband Wetterau. "Das von Pro Bahn & Bus entwickelte Fahrplankonzept dagegen bringt Verbesserungen ohne Streichungen", betont Petra Becker. Eckpunkte sind die Schaffung eines Taktknotens in Nidda (jede Stunde - jede Richtung), die Reduzierung der Schrankenschließzeiten in Hungen sowie die Option auf einen Wochenendverkehr auf der gesamten Lahn-Kinzig-Bahn. Das Konzept soll in den nächsten Tagen an die Aufgabenträger versandt werden.
Was der RMV plant:
+ Stilllegung der Horlofftalbahn im Abschnitt Hungen - Wölfersheim
Dafür:
+ Beschränkung des Zugverkehrs zwischen Friedberg und Wölfersheim mo-fr auf 10 Zugpaare (- 33%). Zurzeit verkehren dort wochentags 15 Zugpaare
+ Wochenendverkehr mit 6 Zugpaaren im 2-Stundentakt auf der Strecke Friedberg - Nidda
+ Streichung von Früh- und Spätfahrten mo-fr auf der Lahn-Kinzig-Bahn Gießen - Nidda - Gelnhausen, Beschränkung des Samtagsverkehrs auf eine Kernzeit zwischen 8 und 16 Uhr (zur Zeit verkehren die Züge samstags zwischen Hungen und Gießen zwischen 6 und 23 Uhr)
+ Verlängerung des Samstagsverkehres bis nach Nidda, wobei der Abschnitt Nidda - Gelnhausen samstags weiterhin ohne Schienenverkehr bliebe.
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