18. April 2001 - Rhein-Main

Pro Bahn & Bus fordert Zukunftskonzept für nordmainische Bahnachse

"Nordmainische S-Bahn" nur eine der möglichen Lösungen

(Hanau) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus hat angesichts des absehbaren Endes der Tunnelpläne von 'Frankfurt 21' davor gewarnt, die dortigen Fehler nun im Raum Hanau zu wiederholen. "In Frankfurt hat man jahrelang Hoffnungen auf eine ganz bestimmte Projektvariante gesetzt, deren Wesen und Konsequenzen die wenigsten vor Ort begriffen hatten. Alternativen wurden totgeschwiegen. Nun kommt der große Katzenjammer", sagt Verbandssprecher Christian Behrendt.
"Genau dasselbe droht jetzt im Main-Kinzig-Kreis. Fast jeder wirft mit dem Begriff 'Nordmainische S-Bahn' um sich, aber wie viel Entscheidungsträger wissen, was eine S-Bahn ist, welche Alternativen es gibt und welche Verbesserung für Maintal und Hanau eigentlich nötig sind?"

Die Politik hat noch nicht begriffen, dass eine Beibehaltung des heutigen 30-Minuten-Zugtaktes keine Verbesserung sondern eine reine Mogelpackung wäre. Bei einem 15-Minuten-Takt wiederum müssen nicht nur erhebliche Zugleistungen neu bestellt, sondern auch die Fahrpläne der Zubringerbusse entsprechend verdichtet werden. Völlig unausgegoren gar sind Forderungen, die S-Bahn bis Gelnhausen, Wächtersbach oder gar Fulda zu verlängern.

Zunächst gilt es Hausaufgaben zu machen und untersuchen zu lassen, welches Verkehrskonzept die Entwicklung des Oberzentrums Hanau mit seinem charakteristischen Dipol "Freiheitsplatz - Hauptbahnhof" sowie dessen Umland am Besten unterstützt.

Pro Bahn & Bus hält eine Mehrsystem-Stadtbahn wie in Kassel, Karlsruhe oder Saarbrücken für das angemessene Verkehrsmittel. "So lassen sich dichte Taktfahrpläne realisieren, regionale und lokale Verkehrsbedürfnisse wirtschaftlich bündeln, Umsteigezwänge vermeiden sowie die Hanauer Innenstadt beleben und zugleich entlasten."

Der Fahrgastverband erinnert daran, dass die Variante einer Stadtbahn laut gültigem Nahverkehrsplan der Stadt Hanau geprüft werden sollte. Das ist aber bis heute nicht geschehen.

Hanau bildet die Schnittstelle zwischen dem Ausbau des Frankfurter Hauptbahnhofes und der Integrierten Planung Main-Kinzig-Fulda - beides Problemfelder, die der hessische Verkehrsminister Dieter Posch in den kommenden 10 Jahren zu Recht gelöst sehen möchte. Hanau darf nicht zum neuen Bremsklotz der regionalen Verkehrsentwicklung werden.

Pro Bahn & Bus sieht keinen Gegensatz zwischen der Initiative des Verkehrsministers und der Frage, wie die überfällige Aufwertung der Nahverkehrsachse Hanau - Maintal - Frankfurt technisch am sinnvollsten sichergestellt werden kann. "Es kann nicht sein, dass man - abgesehen von politischen Lippenbekenntnissen - jahrelang die Hände in den Schoss legt und nun aus vermeintlicher Zeitnot hektisch nach dem erstbesten Ladenhüter greift, der einst unter ganz anderen Voraussetzungen erarbeitet, wegen mangelnder Effizienz dann aber nicht umgesetzt wurde."

Pro Bahn & Bus fordert deshalb die Kreisstadt Hanau und den Main-Kinzig-Kreis auf, gemeinsam ein sachlich fundiertes Entwicklungskonzept für Bahn und Bus zu formulieren.
Christian Behrendt betont: "Wer glaubhaft etwas für uns Fahrgäste tun will, muss realistische Visionen für die kommenden Jahrzehnte formulieren und gemeinsam mit den Nachbarn konsequent am Netzwerk bauen. Im Raum Hanau jedoch gibt es seit Jahren nur Stückwerk. Oberbürgermeisterin Margret Härtel und Landrat Karl Eyerkaufer sollten sich so schnell wie möglich zusammensetzen und die organisatorischen Voraussetzungen für eine wirklich zeitgemässe Verkehrsplanung im Raum Hanau/Main-Kinzig schaffen."