2. Januar 2001 - Mittelhessen

Pendolinos auf der Lahntalbahn: Deutsche Bahn steht in der Verantwortung

(Gießen/Limburg/Koblenz) Mit Unverständnis reagiert der mittelhessische Regionalverband von Pro Bahn & Bus auf Überlegungen der Deutschen Bahn AG (DB), die Pendolinos auf der Lahntalbahn erneut durch langsamere Ersatzzüge zu ersetzen. Mitte Dezember war bekannt geworden, dass die derzeit eingesetzte Pendolino-Baureihe 611 ab Januar 2001 nur noch in Baden-Württemberg eingesetzt werden soll. Damit zieht das Unternehmen die Konsequenz aus der Tatsache, dass drei Jahre nach Inbetriebnahme der Baureihe noch immer eine hohe Ausfallquote besteht, die eine Bedienung aller vorgesehenen Strecken unmöglich macht.

Der Fahrgastverband bemängelt in diesem Zusammenhang das offensichtliche Desinteresse des Landes Hessen am Lahntal-Pendolino. Während Rheinland-Pfalz für den Fall weiterer Ausfälle Zahlungen an DB-Regio verweigert, scheint in Hessen an der Frage, ob die Lahntalbahn mit schnellen Pendolinos oder langsameren Ersatzzügen verkehrt, kaum jemand Interesse zu haben. Reaktionen des in Hessen zuständigen Rhein-Main-Verkehrsverbundes (RMV) sind ebenso selten, wie solche der Hessischen Landesregierung oder der anliegenden Kreise und Städte. "Die Deutsche Bahn AG kann deshalb davon ausgehen, dass ein Ersatzverkehr auf der überwiegend in Hessen verlaufenden Lahntalbahn weniger finanziellen Schaden anrichtet als ein solcher auf einer rein rheinland-pfälzischen Strecke", sagt Friedrich Lang von Pro Bahn & Bus Mittelhessen.

Dabei hatten die Länder Hessen und Rheinland-Pfalz gemeinsam eine Summe im zweistelligen Millionenbereich aufwenden müssen, um der Bahn die Ertüchtigung der Lahntalbahn für den Neigetechnik-Betrieb zu ermöglichen. In der entsprechenden Vereinbarung war die DB im Gegenzug verpflichtet worden, den Pendolino im Zweistunden-Takt zwischen Koblenz und Gießen pendeln zu lassen. Wenn sich die Bahn wiederholt aus dieser Verpflichtung stiehlt, so entsteht damit auch ein Fall für den Hessischen Rechnungshof.

Pro Bahn & Bus hält es für denkbar, dass die Fahrzeuge - von den offensichtlichen Konstruktionsmängeln abgesehen - auch unter einer nachlassenden Wartung leiden. Es widerspräche allen Grundsätzen der Wahrscheinlichkeit, wenn immer mehr Personalabbau in den zuständigen Werken der DB zu einer immer weiter verbesserten Qualität bei der Fahrzeugwartung führen würde. In Sachen "Wartung der Frankfurter S-Bahn-Flotte" hat DB-Regio bereits eine Art Offenbarungseid leisten müssen. Bei den Nahverkehrstriebwagen der Baureihe 628 werden Probleme eingeräumt. Der äußere Zustand dieser Fahrzeuge spricht Bände. "Warum sollte es den Pendolinos prinzipiell anders ergehen?"