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4. Mai 2000 - Rhein-Main
Gemeinsame Pressemitteilung von VCD-Hessen, Pro Bahn & Bus, Initiative Frankfurt 22:
Zukunftskonzept für den Hauptbahnhof vorgestellt
"Kopfbahnhof mit Köpfchen" sichert Knotenfunktion Frankfurts - Skepsis gegenüber Planungen der DB AG zu "Frankfurt 21"
(Frankfurt am Main) In einer gemeinsamen Pressekonferenz haben der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus, der VCD-Hessen sowie die Initiative Frankfurt 22 nachdrücklich einen zukunftsgerechten Ausbau des Frankfurter Hauptbahnhofes gefordert.
Die dauerhafte Sicherung und Stärkung von Frankfurt am Main als europäischem Bahnknoten ist keineswegs an die Tieferlegung der Bahnsteige sowie an den Bau von Tunnelröhren unter City und Main gebunden. Fahrgastfreundlicher und zukunftssicherer ist die gezielte Modernisierung der heutigen oberirdischen Bahnanlagen im Hauptbahnhof und seiner Zulaufstrecken. Hierzu wurde das gemeinsame 160-seitige Konzept "Frankfurt Hauptbahnhof - Kopfbahnhof mit Köpfchen" vorgestellt.
Stillstand unerträglich
Vertreter aller drei Organisationen betonten die Notwendigkeit, die schon seit längerem nicht mehr zeitgemäßen Anlagen des Hauptbahnhofes grundlegend umzugestalten und so für die künftigen Verkehrsströme fit zu machen.
Zu den Hauptmängeln zählen insbesondere die gegenseitige Behinderung ein- und ausfahrender Züge im Gleisvorfeld, zu wenig ICE-gerechte Bahnsteige sowie fehlende Kapazitäten für durchlaufende Züge in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung.
Seit nunmehr 1 ½ Jahrzehnten wird einzig über Tunnelprojekte und ihre Abwandlungen diskutiert, doch einer Realisierung ist man trotz wachsenden Problemdrucks noch keinen Schritt näher gekommen.
Diese nicht länger hinnehmbaren Entscheidungs- und Investitionsblockaden müssen aufgebrochen, Perspektiven und Planungssicherheit endlich geschaffen werden.
Menschen und Verkehrsnutzung im Mittelpunkt
Bei allen Umbauplänen haben die Bedürfnisse der Menschen im Mittelpunkt zu stehen, wobei ein ausgewogener Nutzen sowohl für die Bürgerinnen und Bürger im Umland als auch in der Stadt Frankfurt, für Ein- und Aussteiger, Umsteiger und Durchreisende gleichermaßen anzustreben ist.
Die Einfahrt in den Hauptbahnhof bildet für Besucher und Gäste den ersten Eindruck der Mainmetropole. Der Hauptbahnhof ist Eingangstor und Visitenkarte zugleich.
Bei einer Umgestaltung haben Erfordernisse der Verkehrsnutzung im Vordergrund zu stehen und dürfen kurz- oder mittelfristigen Flächenvermarktungsinteressen keinesfalls untergeordnet werden. Der Wunsch der Stadt Frankfurt nach zusätzlichen Entwicklungsräumen am attraktiven Standort des Hauptbahnhofes ist nachvollziehbar und unterstützenswert, sollte jedoch nicht zu Lasten künftiger Betriebskonzepte des Schienenpersonen- und -güterverkehrs gehen.
Die Chancen für Verkehrsverlagerungen auf die Bahn - politisch von allen gewollt - dürfen nicht milliardenschwer beerdigt werden.
Kopfform des Hauptbahnhofes nicht eigentliche Problemursache
Die nüchterne Überprüfung der in Zusammenhang mit "Frankfurt 21" gehandelten Verheißungen hat zwei bemerkenswerte Erkenntnisse geliefert:
1. Die Rationalisierungseffekte bezüglich Gleisbildvereinfachung, Einsparung kaum genutzter Weichen und Freisetzung nicht mehr benötigter Bahnflächen sind allesamt auch unter Beibehaltung des oberirdischen Kopfbahnhofes erzielbar.
2. Der Nutzen der eher bescheidenen Fahrzeitersparnisse für ostgehende Verkehre relativiert sich am Zeitverlust auf Treppen und Rolltreppen sowie durch den Wegfall der Regionalzughalte an Süd-, Ost- und Westbahnhof.
Die vielzitierten Vorteile von "Frankfurt 21 " lassen sich auch ohne Tieferlegung der Bahnsteige und Aufgabe des Kopfbahnhofes erzielen!
Durch einen vergleichsweise einfach zu realisierenden Umbau des Gleisvorfeldes können nicht nur die heutigen Konflikte zwischen ein- und ausfahrenden Zügen vermieden sowie die Fahrzeiten verkürzt werden. Vielmehr werden damit zugleich die Voraussetzungen für Ost-West- und Nord-Süd-Durchmesserlinien geschaffen und so unnötige Umsteigevorgänge vermieden.
Das Umbaukonzept für den bestehenden Kopfbahnhof ist dabei keineswegs als Klein-Klein-Lösung oder "Sparvariante" zu verstehen. Es spricht vieles dafür, dass es deutlich mehr leistet als die Tunnelplanung "Frankfurt 21", knappe Finanzmittel effektiver einsetzt und somit als wirklich zukunftsgerechte und konsensfähige Jahrhundertlösung für die gesamte Region Rhein-Main anzusehen ist.
Hoher Nutzen durch "Kopfbahnhof mit Köpfchen"
Eine Modernisierung des Kopfbahnhofes macht einen Großteil der heutigen Weichen überflüssig und setzt erhebliche Flächen frei. Im Korridor Hanau - Flughafen können im Fernverkehr mehrere Minuten Fahrzeit gespart und im Regionalverkehr endlich umsteigefreie Direktverbindungen aus dem Kinzigtal bzw. dem Raum Aschaffenburg über den Flughafen nach Wiesbaden / Mainz angeboten werden.
Südbahnhof, Ostbahnhof und Westbahnhof werden nicht abgekoppelt, sondern aufgewertet; der Flughafen verstärkt in durchgehende Ost-West- und Nord-Süd-Zuglinien eingebunden. Während bei „Frankfurt 21" mehrere Milliarden DM an einer einzigen Stelle gebunden würden, ist eine dezentrale Investitionsstrategie nicht nur wesentlich intelligenter und risikoärmer, sondern auch rascher umzusetzen.
Kein Hauptbahnhofsausbau ohne Entwicklungskonzept für Regionalverkehr
Vehement kritisiert wurde die Absicht, zuerst über den Hauptbahnhof zu entscheiden und dieses Votum dann als Grundlage zur Entwicklung des gesamten Taktverkehrsnetzes für Rhein-Main und Hessen heranzuziehen. Aus sachlichen Gründen ist die Reihenfolge zwingend umzukehren: Zuerst sind die Entwicklungserfordernisse des Regional- und Fernverkehrs im Verbund zu formulieren - erst daraus leitet sich ab, welche Anforderungen an die Dimensionierung der künftigen Hauptbahnhofsanlagen zu stellen sind.
Eine Abkoppelung von Südbahnhof, Ostbahnhof und Westbahnhof vom Regionalzugnetz, wie bei "Frankfurt 21" vorgesehen, kommt nicht in Frage!
Skepsis gegenüber "Frankfurt 21"
Das offizielle Tunnelkonzept "Frankfurt 21" wirft erhebliche bauliche, betriebliche und sicherheitstechnische Probleme auf, von den Behinderungen während der jahrelangen Bauphase ganz abgesehen. Statt freizügig nutzbare Zusatzkapazitäten zu schaffen, werden in den nur unter extremem Kostenaufwand ausbaubaren unterirdischen Anlagen neue Kapazitätsengpässe entstehen.
Im Hinblick auf das Vorgehen bei "Stuttgart 21" wird Forderungen der DB AG nach langfristigen Bestellgarantien für Zugleistungen in Verbindung mit einem Einfahrverbot für die Dieselfahrzeuge potentieller Bahnkonkurrenten unter Wettbewerbsgesichtspunkten eine klare Absage erteilt.
Der sofortige Ausbau der S6-Achse Frankfurt - Bad Vilbel darf unter keinen Umständen länger hinausgezögert oder durch "Frankfurt 21" gar gekippt werden.
Geheimplanung zu "Frankfurt 21" nicht akzeptabel
Scharfe Kritik wurde an der bisherigen Geheimhaltung der Ausbaupläne zu "Frankfurt 21" geübt. Ein Blick auf die übrigen "21-er Bahnhofsprojekte" in Deutschland zeigt, dass viele der großartigen Versprechungen und Finanzierungshoffnungen letztlich auf Sand gebaut waren bzw. technisch genausogut auf andere Weise umgesetzt werden können.
Meinungsbildung zu "Kopfbahnhof mit Köpfchen" gefordert
Von der Landes- und Stadtpolitik sowie der DB AG wird die gleichberechtigte Einbeziehung des Konzeptes "Kopfbahnhof mit Köpfchen" in die laufenden Planungen erwartet. Es kann nicht angehen, dass 5 Mio DM für Detailplanungen eines einzigen Projektansatzes - "Frankfurt 21" - ausgegeben werden, ohne oberirdische Ausbaualternativen ernsthaft zu prüfen.
Angeregt wurde ferner ein Ideenwettbewerb um die künftige Gestaltung des Hauptbahnhofes. Beispiele für Handlungsbedarf sind die grundlegende Sanierung der großartigen Hallenkonstruktion, eine zusätzliche oberirdische Querung am Westende der Bahnsteige zwischen Behördenzentrum und Rudolfstraße unter Einbeziehung des alten Zentralstellwerkes sowie die städtebauliche Aufwertung von Bahnhofsvorplatz und Seitenstraßen.
Die diesbezüglichen Entscheidungen sind sorgfältig vorzubereiten und zügig in die Wege zu leiten. Nicht als Renommierprojekt, sondern einzig als solide und zukunftssichere Konzeption mit Nutzen für tagtäglich Hunderttausende hat die Aufwertung des Frankfurt Hauptbahnhof eine Chance auf baldige Realisierung!
Konzept übers Internet und auf CD erhältlich
Das Konzept "Kopfbahnhof mit Köpfchen" ist im Internet verfügbar, ferner wurde dort ein Diskussionsforum eingerichtet: http://www.probahn-bus.org/kopf/
Ferner ist eine Lieferung auf CD-ROM zum Preis von DM 17,- (Mitglieder der drei Organisationen: DM 14,-) - jeweils zzgl. Versand - möglich; Bestellung über: Pro Bahn & Bus - Schriftenversand, Postfach 1864, 65008 Wiesbaden, Fon&Fax: (06126) 57660 Email: gernot.hornik@t-online.de
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