DB Regio Hessen auf der Dokumenta

(Kassel/Frankfurt) Die für den hessischen Schienennahverkehr zuständige Gesellschaft DB Regio Hessen wird mit ihrer gesamten Flotte von Nahverkehrstriebwagen an der kommenden Dokumenta XII in Kassel teilnehmen. Wie Jochen Schiebeler von DB Regio Hessen mitteilte, können Besucher der Veranstaltung die Fahrzeuge hessenweit mit einem speziellen "spray, paint and train - Ticket" benutzen, welches dienstags, mittwochs und samstags gilt. (An Samstagen jedoch erst ab 13.50 Uhr.) Das Tickelt gilt auch in anderen Zügen von DB Regio Hessen, sofern mindestens ein Wagen zu 30 Prozent mit Graffiti überzogen ist. Schiebeler: „Damit fördern wir den mündigen Kunden, denn dann kann jeder dazu beitragen, in den Genuss des günstigen Tarifes zu kommen".

Da noch nicht alle Fahrzeuge Dokumenta-fähig sind, vertreibt DB Regio Hessen an ausgewählten Bahnhöfen und im Bahn-Shop 1435 ein "Set 628", bestehend aus 5 verschiedenen Sprühfarben, einer Taschenlampe und einem Terpentinlappen zur Händereinigung.

Noch gibt es laut Schiebeler vereinzelte Probleme bei der Akzeptanz vollständig graffitierter Fahrzeuge sowohl auf Kundenseite als auch beim Personal. Mit der Gewerkschaft GdED konnte ein Abkommen darüber erzielt werden, dass die Frontscheiben zu 75 Prozent frei bleiben. Wenig Verständnis zeigt DB Regio Hessen dagegen bei "übereifrigen" Mitarbeitern: Einem Beschäftigten der Bahnreinigungsgesellschaft wurde eine Abmahnung erteilt, weil er mit der Reinigung eines Fahrzeuges begonnen hatte. Schiebeler: "Dienst ist Dienst und Kunst ist Kunst. Die Putzfrau, die Beuys Fettfleck entfernte, wurde sogar auf Schadensersatz verklagt!"

Vereinzelten Fahrgastbeschwerden über die fehlende Sicht nach draußen sollte ursprünglich mit einer Videoübertragung der Außenlandschaft begegnet werden. Hier wird sich jedoch eine kostengünstigere Variante durchsetzen. Schiebeler: "Wir haben noch jede Menge Plakate mit schönen Landschaften und mittlerweile fast legendären Werbesprüchen - beispielsweise ‘Alles schläft - einer fährt’ oder ‘Stadtmitte ist da, wo der Bahnhof ist’. Die sind genau das Richtige für die eher wertkonservative Klientel, die dem Graffiti immer noch ablehnend gegenüber steht. Würden wir die Videoübertragung wählen, fiele der Blick ja ohnehin nur auf bemalte Bahnhöfe."

(Aus Hessenschiene vom 01.04.2000)