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10. März 2000 - Mittelhessen
Die Entscheidung PRO oder CONTRA Aar-Salzböde-Bahn
(Wetzlar) Am Montag, den 13.03.2000, entscheidet der Kreistag des Lahn-Dill-Kreises über die Aar-Salzböde-Bahn Herborn - Hartenrod. Als Arbeitsgemeinschaft der Verkehrs- und Umweltverbände haben wir kürzlich alle Kreistagsmitglieder angeschrieben. In dem Schreiben bitten wir um eine überlegte Entscheidung, unabhängig von der kommunalen Tagespolitik und unabhängig von den Emotionen der letzten drei Monate.
Dass Schienenverkehr anderswo als Alternative zum Auto angenommen wird, im Aartal jedoch überwiegend (keineswegs nur!) Schüler die Bahn nutzen, hat u.a. folgende Gründe:
- Der Fahrplan ist werktags tagsüber dicht, bietet jedoch keine Verbindungen am späteren Abend sowie am Wochenende ab Samstag 14.00 Uhr.
- Die Erhöhung der Fahrgeschwindigkeit erfordert Investitionen in die Bahnübergänge und ist bislang unterblieben.
- Ebenfalls unterblieb der Mitte der 90er jahre fest beabsichtigte Bau eines Haltepunktes an der Mittelpunktschule in Ballersbach.
- Die Bahn endet in Hartenrod und erschließt Bad Endbach nur unzureichend. Seit 1995 gibt es keine Verbindungen mehr nach Marburg.
- Morbide Stationen, beschmierte Züge und üppige Preise für Einzelfahrkarten.
Es ist klar, dass es ein "Weiter" mit der Deutschen Bahn AG nicht geben kann. Zu unflexibel hat sich das Unternehmen in der Vergangenheit gezeigt. Angesichts des zunehmenden Wettbewerbes auf der Schiene gibt es jedoch Alternativen.
Ärgerlich ist, wenn Schüler als Fahrgäste zweiter Klasse behandelt werden und davon geredet wird, dass "nur" Schüler die Bahn benutzen. Kaum jemand glaubt an einen adäquaten Ersatz der fast 400 Sitzplätze im Zug durch eine entsprechende Anzahl an Bussen. Als Folge wird der anderswo übliche "Heringstransport" im Aartal Einzug halten. Auch sollten Unfälle der vergangenen Monate mit Schulbussen zu denken geben.
Die Einstellung des Verkehrs 2001 und eine spätere Wiederaufnahme würde in jedem Fall einen Einschnitt bei den Gewohnheiten der Fahrgäste bedeuten. Da die übereilte Diskussion ohne ernsthafte Prüfung von Alternativen und ohne deutliche Hinterfragung der von der DB genannten Sanierungskosten innerhalb der meisten Parteien zu festgefahrenen Meinungen geführt hat, ist jedoch eine Entscheidung contra Bahn zu erwarten.
In diesem Fall gilt es, wenigstens den Schienenweg zu erhalten. Hier lassen viele Kommunalpolitiker jegliches Fingerspitzengefühl für verkehrspolitische Belange der Zukunft vermissen. Bei der "Taunusbahn" hat es weniger als 15 Jahre gedauert, bis Bedarf für einen reaktivierten Bahnverkehr zwischen Brandoberndorf und Grävenwiesbach bestand. (Übrigens für prognostizierte 300 Reisende am Tag - so viele sitzen bei der Aar-Salzböde-Bahn alleine im morgendlichen Schülerzug!.) Die Reaktivierung der Taunusbahn war nur möglich, weil die Trasse als Verkehrsweg wieder nutzbar gemacht werden konnte. Diese Chance ist im Aartal vertan, sind erst die Schienen demontiert und einzelne Grundstücke einer anderweitigen Nutzung zugeführt.
Eine Möglichkeit, die Strecke bis zur Umsetzung eines überzeugenden Konzeptes und darüber hinaus zu erhalten, ist die regelmäßige Durchführung von Museumsverkehr, wie er vom Verein Aar-Salzböde-Bahn geplant ist. Touristische Angebote zu schaffen erfordert Mut und Idealismus. Sie münden aber vielfach in renommierten Projekten wie beispielsweise der "Grube Fortuna", die anfangs auch gegen erhebliche Widerstände zu kämpfen hatte.
Gemeinsamer Pressetext der Verbände in der Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der Aar-Salzböde-Bahn: Verein Aar-Salzböde-Bahn, BUND, PRO BAHN, VCD, Pro Bahn & Bus und OEF
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