8. März 2000 - Mittelhessen

Jahreshauptversammlung von Pro Bahn & Bus Mittelhessen:
In der Region stehen einige Signale auf "Halt"


(Butzbach) Die Jahreshauptversammlung von Pro Bahn & Bus Mittelhessen e.V. fand am vergangenen Samstag in Butzbach statt. Regionalverbands-Vorsitzender Joachim Elbing gab einen Rückblick auf das Jahr 1999:
Eine herausragende Tätigkeit war die Mitarbeit am "Bahnhofstest Hessen", einer Gemeinschaftsuntersuchung von Verbraucher-Zentrale Hessen, Verkehrsclub Deutschland (VCD) sowie Pro Bahn & Bus e.V.. Für mehrere mittelhessische Bahnhöfe listete unser Regionalverband Stärken und Schwächen auf.

Schwerpunkt der Arbeit waren wieder die "kleinen Strecken", für deren Angebotsfinanzierung seit der Bahnregionalisierung in Hessen die Kreise und der Rhein-Main-Verkehrsverbund gemeinsam zuständig sind. Die verkehrspolitische Bewertung einzelner Linien entspricht den "Farben" der jeweiligen Kreis- und Kommunalpolitik und führt zu Entscheidungen unterschiedlichster Art: Wurde im südlichen Lahn-Dill-Kreis die "Taunusbahn" für ein prognostiziertes Aufkommen von 300 Fahrgästen am Tag auf alter Trasse nach Brandoberndorf verlängert, so dient exakt dieselbe Fahrgastzahl den Verantwortlichen im Landkreis Gießen als Argument gegen den Beibehalt des Zugverkehres zwischen der Kreisgrenze und Hungen.

Auf einer zweiten im Lahn-Dill-Kreis gelegenen Strecke, der Aar-Salzböde-Bahn, wird die Zahl von 300 Fahrgästen zwar bereits in einem einzigen (Schüler-) Zug überschritten, dennoch wird die Stilllegung und sogar die Demontage der Gleise von kommunaler Seite massivst vorangetrieben: Von der Bahn genannte Kosten für eine Sanierung wurden kaum hinterfragt, Finanzierungskonzepte und alternative Betreibermodelle nur halbherzig ausgelotet. Geht es nach dem Willen der Verantwortlichen in Kreis und Gemeinden, so fährt 2001 der letzte Zug.

Immerhin: Für die Horlofftalbahn Hungen - Beienheim konnte Pro Bahn & Bus - Streckenbetreuer Hans-Jörg Winter anlässlich der Jahresversammlung einen Silberstreif am Horizont zeichnen: Zunächst bis 2002 haben sich Wetteraukreis und Landkreis Gießen auf eine Fortführung des Angebotes verständigt. In dieser Zeit müssen die lange geforderte Geschwindigkeitserhöhung sowie die Durchbindung der Züge über Beienheim hinaus nach Friedberg eine Fahrgaststeigerung bewirken. Hans-Jörg Winter hat den Verantwortlichen entlang der Strecke Mängel in einem offiziellen Gutachten aufgezeigt, die - nicht hinterfragt - zu einer sicheren Einstellung des Angebotes geführt hätten. Leider brachte der Übergang auf einen neuen Triebwagentyp für beide Wetterau-Strecken im vergangenen Jahr Probleme mit sich: Die Fahrzeuge mussten "Kinderkrankheiten" unter laufendem Betrieb auskurieren. Dennoch kann der Übergang auf den Betreiber "Hessische Landesbahn" als Erfolg gewertet werden, sinken doch die Kosten für den laufenden Betrieb.

Stillstand in Mittelhessen bei wichtigen Bahnhofs- und Haltepunkt-Projekten: Konnte die Sanierung der Bahnsteige in Weilburg weitgehend abgeschlossen werden, so lassen dringende Verbesserungen beispielsweise in Kirchhain, Marburg und Nidda weiter auf sich warten. Beim immens wichtigen Bau des Innenstadt - Haltepunktes "Oswaldsgarten" in Gießen ruhen die Arbeiten. Die Verantwortung für die Verzögerungen liegt zum allergrössten Teil bei der Deutschen Bahn AG.