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28. Februar 2000 - Mittelhessen
Aufsichtsratsbeschluss: Horlofftalbahn bis 2002 gesichert
VVG räumt Bahnstrecke Hungen - Friedberg "Bewährungsfrist" ein / Weitere Vorschläge von Pro Bahn & Bus
(Landkreis Gießen/Wetteraukreis) Die Horlofftalbahn wird vorerst nicht stillgelegt. Dies erklärte der Geschäftsführer des Verkehrsverbundes Gießen (VVG), Wilfrid Venerius, vergangene Woche. Gemäß einem Aufsichtsratsbeschluss ist die "Grundbedienung" der Strecke bis Mai 2002 gesichert. Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus begrüßt den Beschluss und hofft, dass der Aufsichtsrat der Wetterauer Verkehrsgesellschaft (WVG) nun ebenfalls eine "konstruktive Entscheidung" trifft.
Gegen eine kurzfristige Teilstilllegung und für einen Weiterbetrieb der Bahnstrecke Friedberg - Hungen bis mindestens Mai 2002 hat der Aufsichtsrat des Verkehrsverbundes Gießen (VVG) in seiner letzten Sitzung votiert. Der Zeitraum soll genutzt werden, um der Strecke eine "letzte Bewährungsfrist" einzuräumen, wie VVG-Geschäftsführer Wilfrid Venerius erklärte. Allerdings ist es möglich, dass bis dahin in aufkommensschwachen Zeiten weitere Züge durch Busse ersetzt werden. Weiterhin wurde die VVG-Geschäftsführung beauftragt, sich um eine Attraktivitätssteigerung zu bemühen: Kurzfristig könnte auf Teilabschnitten die Streckengeschwindigkeit von 60 auf bereits jetzt mögliche 80 Stundenkilometer erhöht werden. Auf weiteren Abschnitten ist eine Ertüchtigung auf 80 km/h durch die Beseitigung nicht mehr benötigter Bahnübergänge erreichbar.
Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus begrüßt die Entscheidung. Die avisierte Beschleunigung der Züge kommt "spät, aber nicht zu spät" wie Verbandssprecher Hans-Jörg Winter anmerkt. "Die Maßnahmen hätte man schon vor Jahren angehen müssen." Nach Ansicht des Fahrgastverbandes sind aber weitere Schritte erforderlich, um der Strecke eine "echte Bewährungschance" zu geben. In Übereinstimmung mit dem Gutachten muss vor allem der Umsteigezwang in Beienheim kurzfristig beseitigt werden. "Wenn das bestehende Fahrplankonzept unverändert weitergefahren wird, stehen wir in 2 Jahren am selben Punkt wie jetzt", unterstreicht Winter.
Zwei Möglichkeiten bieten sich aus Sicht von Pro Bahn & Bus an: Eine Zuglaufflügelung (Vereinigen und Trennen) im Bahnhof Beienheim oder die Versetzung des Taktes auf einem der beiden Streckenäste um eine halbe Stunde. Für eine Zuglaufflügelung müssen zuerst die Gleise in Beienheim für ca. 1,5 Mio. DM umgebaut werden. "Eine Massnahme, die binnen 2 Jahren kaum umsetzbar ist", wie Hans-Jörg Winter einräumt. "Es läuft fast zwangsläufig auf eine Fahrplanänderung hinaus." Ein Fahrplan mit Durchbindung nach Friedberg würde einen zusätzlichen Triebwagen erfordern und kostenpflichtige Mehrkilometer verursachen.
Pro Bahn & Bus will vor diesem Hintergrund einen eigenen Entwurf ausarbeiten und zur Diskussion stellen. Vom Aufsichtsrat der Wetterauer Verkehrsgesellschaft erhofft sich der Verband nun, dass die Gießener Entscheidung mitgetragen wird.
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