21. Februar 2000 - Rhein-Main/Osthessen

Mottgers-Spange: "Nur eine Variante unter mehrenen"

(Fulda) Bezugnehmend auf die Äußerungen des GdED-Hauptvorstandsmitglieds und verkehrspolitischen Sprechers der Fuldaer Kreis-CDU, Hubert Heil, hält der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus e.V. die rasche Herstellung der durchgängigen Viergleisigkeit der Kinzigtalbahn zwischen Hanau und Fulda für unverzichtbar. Der Verband erteilt jedoch einer vorzeitigen Festlegung allein auf die Mottgers-Spange ohne Prüfung aller Lösungsvarianten eine klare Absage. Die Politik ist gefordert, die Bürger umfassend zu informieren und auf ihre Wünsche und Bedenken ersthaft einzugehen.

"Der Ausbau der Kinzigtalbahn ist unabhängig von Verkehrskorridor Hanau - Aschaffenburg - Würzburg voranzutreiben. Im Abschnitt Biebergemünd - Diestelrasen wird eine Neutrassierung der Gleise außerhalb des Kinzigtals vermutlich die umwelt- und menschenverträglichste Lösung sein", sagt die Verbandsvorsitzende Petra Becker. Den Ansatz der DB-Strategie "Netz 21" (Gleismäßige Trennung verschieden schneller Züge) bewertet Pro Bahn & Bus uneingeschränkt positiv. "Die Mottgers-Spange ist jedoch nur eine unter vielen Varianten, um diesen Effekt zu erzielen."

Der Fahrgastverband warnt davor, die Bürger verschiedener Regionen gegeneinander auszuspielen oder im Unklaren über die tatsächlichen Konsequenzen künftiger Bahnfahrpläne zu lassen. "Die Interessen von Rhön, Kinzigtal, Vogelsberg und hessischem wie bayerischem Spessart können nur gemeinsam betrachtet und durchgesetzt werden. Eine Generationenentscheidung wie diese darf man nicht politisch >auswürfeln< !", betont Petra Becker.


Pro Bahn & Bus - Positionen:

Pro Bahn & Bus dringt seit nunmehr einem Jahrzehnt auf die systematische Fernverkehrsanbindung von Fulda, Aschaffenburg und Hanau. Gerade im Interesse von Fulda muss die Neubautrasse kurze Fahrzeiten, gute Anschlüsse und leistungsfähige Streckenverzweigungen sicherstellen. Diese Zukunftsforderungen kann die Mottgers-Spange nicht oder nur eingeschränkt erfüllen.

Wegen des Umweges durch den Spessart wird die Mottgers-Spange für Fulda, trotz hoher Zuggeschwindigkeiten, nur zu einer Fahrzeitverkürzung von wenigen Minuten führen. Eine Trassierung entlang des direkten Kinzigtalkorridors ermöglicht demgegenüber eine spürbare Reduzierung der ICE-Fahrzeit Fulda - Hanau von heute 40 auf künftig gut 30 Minuten. Außerdem entlastet diese Trassierung die lärmgeplagten Anwohner der Kinzigtalbahn von nächtlichen Güterzugschall und schont die einzigartige Landschaft im Nordspessart.

Es macht zudem keinen Sinn Aschaffenburg vom Fernzugnetz abzukoppeln und die ICE-Züge von Frankfurt nach Würzburg umwegig über das starkbelastete Kinzigtal und den Spessart zu führen.

Aufgabe der Politik ist es, die rein betriebswirtschaftlichen Planungen der DB AG mit den zahlreichen anderen gesellschaftlichen Erfordernissen in Einklang zu bringen. Es ist unerträglich, wenn Trassenbewertungen seit Jahren unter Verschluss gehalten werden und stattdessen die Spekulationen ins Kraut schießen.