3. Januar 1999 - Mittelhessen

Der Aar-Salzböde-Bahn ein Chance geben!
Qualität des Schülerverkehrs könnte drastisch sinken


(Herborn) Der Fahrgastverband Pro Bahn & Bus fordert die Verantwortlichen im Lahn-Dill-Kreis und in den Gemeinden dazu auf, die Zahlen der Deutschen Bahn AG über die angeblichen Sanierungskosten für die Aar-Salzböde-Bahn Herborn - Hartenrod in Höhe von 50 Millionen nicht kritiklos zu übernehmen.

"Glaubt man der DB, kostet jeder Kilometer der Strecke 2,1 Millionen DM. Dagegen hat sich der komplette Wiederaufbau der "Taunusbahn" zwischen Grävenwiesbach und Brandoberndorf für ca. 1,6 Millionen pro Kilometer realisieren lassen", sagt Siegfried Preis von Pro Bahn & Bus Mittelhessen. "Allerdings unter Regie der privaten Hessischen Landesbahn."
Aber auch die DB kann günstiger sanieren, wie das Beispiel der südlich von Stuttgart gelegenen Ammertalbahn beweist: 22 Kilometer sind dort für 36 Millionen DM saniert worden, einschließlich eines wiederaufgebauten Abschnittes, ähnlich der Taunusbahn-Verlängerung, von 3,9 Kilometern Länge. Die Kosten betragen dort ca. 1,63 Millionen pro Kilometer.

Anders sieht es aus, wenn die Bahn in ihre Rechnung für die Aar-Salzböde-Bahn auch den Abschnitt Hartenrod - Niederwalgern einbezieht. Dieser stillliegende Abschnitt liegt im Kreis Marburg-Biedenkopf. Im Fall einer Reaktivierung dieser Strecke verteilt sich die Gesamtsumme auf zwei Landkreise und entsprechend mehr Gemeinden. Der Kostenanteil für den Lahn-Dill-Kreis liegt dann zwar immer noch bei ca. 28 Millionen bzw. 1,16 Millionen Mark pro Kilometer. Pro Bahn & Bus weist jedoch darauf hin, dass solche Investitionen in hohem Maße bezuschussungsfähig sind. "Auch muss hinterfragt werden, ob jede der von der DB angedachte Einzelmaßnahme sinnvoll ist."

Pro Bahn & Bus sieht die Qualität - insbesondere des Schülerverkehrs - bei einem reinen Buskonzept drastisch sinken. Der heute eingesetzte Vier-Wagen-Zug bietet ca. 350 Sitzplätze. Der Fahrgastverband hält es für unwahrscheinlich, dass eine Einsparung erzielt werden kann, wenn ein Zug durch sieben bis acht Busse ersetzt werden muss. Die Folge sei, dass bald auch im Aartal die Zeiten des "Sardinentransportes" anbrechen. Auch die fehlende Wintersicherheit zahlreicher Straßen im Lahn-Dill-Bergland darf in den Überlegungen nicht außer Acht gelassen werden.

Allerdings macht es wenig Sinn, die Vier-Wagen-Garnitur den ganzen Tag über einzusetzen, wie es die Deutsche Bahn derzeit praktiziert. Ökologisch und ökonomisch sinnvoller ist für Schwachlastzeiten ein Leichttriebwagen, wie er von anderen Anbietern eingesetzt wird. "Eine anderes Unternehmen hängt bei Bedarf sogar den Kohlewagen für Bischoffen an den Triebwagen", meint Siegfried Preis.

"Es stimmt nicht, dass außerhalb des Schülerverkehres kaum jemand die Bahn nutzt", widerspricht Preis dem Bischoffener FWG-Politiker Herbert Rink. Allerdings werden durch den fehlenden Abend- und Wochenendverkehr weite Teile der Bevölkerung von der Nutzung ausgeschlossen. „So bleibt das touristische Potenzial des Aartalsees und des Lahn-Dill-Berglandes gänzlich unerschlossen."
Andere Strecken mit ausreichendem Wochenend-Angebot, beispielsweise die Lahntalbahn, hätten sich zu regelrechten Ausflugsstrecken entwickelt und sind zusammen mit dem Berufs- und Schülerverkehr über die ganze Woche gut ausgelastet.

"Schließlich dürfen soziale und ökologische Aspekte nicht völlig dem finanziellen Aspekt untergeordnet werden. Für Menschen ohne Auto, dazu zählen ältere ebenso wie ganz junge Menschen, aber auch Familien, die sich kein Zweit- oder Drittauto leisten wollen oder können, ist der Schienenverkehr die ganzjährig sicherste und bequemste Transport-Alternative."